Gedenken an Suhler Antifaschisten der Friedberg-Widerstandsgruppe

1. Januar 2017

Am 5. Januar 1945 wurden acht Antifaschisten der Widerstandsgruppe “Friedberg” Adolf Anschütz, Rudolf Gerngroß, Friedrich Heinze, Ernst König, Emil Recknagel, Minna Recknagel, Karl Stade und Ewald Stübler im “20-Sekunden-Takt” im Lichthof des Landesgerichtsgefängnisses Weimar hingerichtet.

Sie gehörten zu den über 200 Antifaschisten, die im Rahmen der beiden Massenverhaftungen des Reichssicherheitshauptamtes (RSHA) am 9. September 1943 und am 8. Juni 1944 in die Hände der Gestapo fielen, die in gewachsenen Widerstandsstrukturen der Betriebe und Wohnorte aktiv gewesen waren. Sie setzten ihren Widerstand auch unter den schwierigen Bedingungen der Haft in der Landesstrafanstalt Ichtershausen, weiteren Haftanstalten und im KZ fort.
In den nachfolgenden “Suhler Waffen- und Hochverratsprozessen” des Volksgerichtshofes (VGH) und des Reichskriegsgerichts wurden 1944/Anfang 1945 Todesurteile gefällt, bzw. hohe Freiheitsstrafen verhängt. Die sogenannten Hochverratsprozesse und der generelle Hochverratsvorwurf gegen Frauen und Männer im Widerstand gegen das herrschende NS-Regime dienten der Diskriminierung und Kriminalisierung des berechtigten Widerstandes gegen eine Politik, die Deutschland in den Untergang eines Welt- und Weltanschauungskrieges führte und schlussendlich mehr als 50 Millionen Menschen den Tod brachte.

Am Donnerstag, den 5. Januar 2017 um 14.00 Uhr werden Angehörige, Freunde und Mitglieder der Basisgruppe Suhl/Südthüringen des Thüringer Verbandes der Verfolgten des Naziregimes/Bund der Antifaschsten am Gedenkstein an der Wendeschleife Friedbergsiedlung der Ermordeten gedenken, daran erinnern, dass Krieg und Terror immer Opfer zu beklagen hat – damals wie heute.

Elke Pudszuhn
Sprecherrat Basisgruppe Suhl/Südthüringen TVVdN/BdA

Erklärung der Jahresversammlung der Basisgruppe Suhl/Südthüringen zur Einweihung einer Gedenktafel für Suhler Nazis am „Volkstrauertag“ auf dem Hauptfriedhof in Suhl

29. Dezember 2016

Auf der Jahresversammlung der Basisgruppe Suhl/Südthüringen der Verfolgten des Naziregimes/ Bund der Antifaschisten am 15. Dezember 2016 wurde folgende Erklärung zur Einweihung einer Gedenktafel für Suhler Nazis am „Volkstrauertag“ auf dem Hauptfriedhof in Suhl am 13. November 2016 verabschiedet:

Mit Empörung mussten wir zur Kenntnis nehmen, dass im Rahmen der Ehrungen zum „Volkstrauertag“ am 13. November 2016 auf dem Suhler Hauptfriedhof eine Gedenktafel „für Suhler Bürger“, die im sowjetischen Speziallager Nr. 2 in Buchenwald inhaftiert waren, angebracht wurde.
Der Text dieser Tafel spricht für die „verspätete Ehrung“, von Suhler Naziaktivisten, die als solche auf der Grundlage der Beschlüsse der Anti-Hitler-Koalition von den sowjetischen Organen inhaftiert und in das Speziallager 2 Buchenwald eingeliefert wurden.
Sie waren Blockleiter, Zellenleiter, aktive Mitglieder der NSDAP, Mitarbeiter der Gestapo, SS- und SA-Aktivisten und Polizisten, so sagt es das im Archiv der Gedenkstätte Buchenwald vorhandene Lagerjournal über die Insassen und den Grund ihrer Inhaftierung aus.
Als Block- und Zellenleiter waren sie auf Hitler vereidigt und lieferten Juden und Antifaschisten der Gestapo aus.
Der Text der Tafel auf dem Suhler Hauptfriedhof „Die Stadt Suhl gedenkt der Bürger ihrer Stadt, die im sowjetischen Speziallager Nr. 2 Buchenwald und in anderen Lagern der Alliierten unschuldig gelitten haben oder zu Tode gekommen sind.“
Die Haltung des Kulturausschusses des Suhler Stadtrates zu diesem Text ist für uns unverständlich und nicht zu billigen.
Wir fragen: Warum hat sich der Suhler Kulturausschuss dazu nicht sachkundig
gemacht, obwohl es dazu genügend Möglichkeiten gab?
Wir fragen: Wer ist die Stadt Suhl?
Wir fragen: Was heißt unschuldig?
Wir fragen: Sind Zellenleiter, Blockleiter, diejenigen, die im Auftrag des Naziregimes Bürger zu überwachen hatten, unschuldige Naziaktivisten?
Wir fragen: Warum wurde die Kritik des Stiftungsdirektors der Gedenkstätte Buchenwald Prof. Dr. Volkhard Knigge, veröffentlicht in der Tageszeitung „Freies Wort“, die Pläne der Stadt Suhl seien gekennzeichnet von „Unwissen und Gedankenlosigkeit, die zu Geschichtsklitterung und Geschichtsvergessenheit führen“, nicht beachtet?
NEIN, mit Duldung des Suhler Oberbürgermeisters wurde diese vollzogene „Ehrung“ von Suhler Naziaktivisten vorangetrieben und am „Volkstrauertag“ realisiert. Dazu sagte der Oberbürgermeister der Stadt Suhl Dr. Jens Triebel: „… auch Letztere haben nun … mit einer eigenen Gedenktafel am Suhler Ehrenmal eine Erinnerungsstätte gefunden, was richtig sei und längst überfällig war.“
Diese Worte entsprechen dem Zeitgeist und der Haltung derer, die diese verspätete Ehrung von Nazis am „Volkstrauertag“ im Jahr 2016 wollten.
Die Lehren:
Es ist an der Zeit die Geschichte der Stadt Suhl in den Jahren der faschistischen Herrschaft von 1933 bis 1945 in ihren historischen Zusammenhängen weiter aufzuarbeiten. Dies ist unsere Antwort und Aufgabe zugleich:
Die historische Wahrheit zu analysieren und diese öffentlich zu machen.

Anmeldung für 25. Antifa-Fahrt ab jetzt möglich!

4. Dezember 2016

Die 25. Antifa-Bildungsreise des TVVdN/BdA findet vom 04.-07. Mai 2017 statt und führt uns zu Gedenkstätten und Erinnerungsorten in Schleswig-Holstein. Besucht wird das dänische KZ Froslev und der Grenzbahnhof Harrislee, Flensburg und ein Ausflug nach Helgoland sind vorgesehen. Der Reisepreis beträgt ca. 270.-€. Anmeldungen nimmt Elke Pudszuhn (03682/43765 oder e-mail: elke.pudszuhn@googlemail.com) entgegen.

Gedenkveranstaltung des TVVdN/BdA in Niederorschel

28. Oktober 2016

Am Freitag, den 9. September 2016 fand in Heilbad Heiligenstadt eine Beratung des Geschäftsführenden Landesvorstandes des Thüringer Verbandes der Verfolgten des Naziregimes – Bundes der Antifaschisten e.V. (TVVdN – BdA e.V.) statt. Daran schloss sich ein Besuch der Gedenkstätte des Außenlagers des ehemaligen KZ Buchenwald in Niederorschel. An der ehemaligen Rampe des Bahnhofes, an der 1944 die Züge mit den vorwiegend jüdischen Häftlingen aus anderen Konzentrationslagern einliefen, trafen sich die Kameradinnen und Kameraden des Landesvorstandes mit Vertretern der Gemeinde Niederorschel und Mitgliedern der Eichsfelder Linken.
Herr Jaritz, stellvertretender Bürgermeister der Gemeinde Niederorschel, begrüßte die Anwesenden, Herr Große, Ortschronist und Herr Dannoritzer, ehemaliger Bürgermeister von Niederorschel, stellten in einem Exkurs in das Jahr 1944 die Ankunft der Häftlinge, ihr Leben, ihre Arbeit für die deutsche Rüstungsindustrie, aber auch ihr Leiden und Sterben dar. Nach einem Rundgang durch das Areal des ehemaligen KZ und des Rüstungsbetriebes gedachten die Teilnehmer der Veranstaltung an der Gedenkstätte der neunzehn Häftlinge, die das Lager in Niederorschel nicht überlebt hatten. Elke Pudszuhn, Tochter eines ehemaligen Buchenwaldhäftlings und Landesvorsitzende des TVVdN – BdA e.V. regte an, künftig in das Programm des jährlich im September stattfindenden Tages des offenen Denkmals auch die antifaschistischen Gedenkstätten einzubeziehen.
Zum Abschluss ließen sich die Gäste vom Ortschronisten Herrn Große durch die Dauerausstellung zum ehemaligen Konzentrationslager in der Heimatstube Niederorschel führen und trugen sich in das Gästebuch ein.
Herzlicher Dank gebührt an dieser Stelle noch einmal den Vertretern der Gemeinde Niederorschel, für die das Gedenken an die Opfer des Nazismus und die Erinnerung an dieses dunkle Kapitel der deutschen Geschichte in ihrem Heimatort eine Herzensangelegenheit ist.

Petra Welitschkin
Mitglied des Landesvorstandes des TVVdN – BdA e.V.

Gedenken an Ernst Thälmann

7. Oktober 2016

Wir dokumentieren ein Referat von Prof. Dr. Ludwig Elm aus Jena, gehalten am 18. August in Buchenwald.

Gehen wir bei unserem heutigen Gedenken an Ernst Thälmann anlässlich des 72. Jahrestages seiner Ermordung an diesem Ort exemplarisch von einigen Erinnerungen und Äußerungen von Zeitgenossen und Kampfgefährten aus.

Die Zeichner und Maler Lea und Hans Grundig fanden in Dresden in den zwanziger Jahren zur kämpferischen Arbeiterbewegung und wurden Mitglieder der KPD. Lea schilderte in ihren Erinnerungen eine Episode, die den Enthusiasmus bei der Vorbereitung und der Teilnahme an einer Großkundgebung des Roten Frontkämpferbundes (RFB) in Berlin rund um den Lustgarten verriet: Die Dresdner Kolonne mündete in „die unübersehbare Menschenmenge: „Ein mächtige Erregung hatte uns alle erfasst. Ernst Thälmann sprach.“(1) Jüdischer Herkunft, hatte Lea später durch Flucht und Emigration nach Palästina und Hans in Deutschland überleben können. Antifaschistische Erfahrung und Solidarität schlugen sich prägend im künstlerischen Lebenswerk der beiden Grundigs nieder.

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Gedenken an Opfer des Faschismus

16. September 2016

Der zweite Sonntag im September ist traditionell Anlass, die Opfer des Faschismus und die antifaschistischen Widerstandskämpferinnen und Widerstandskämpfer zu ehren – eine gute Tradition des Erinnerns und des Ehrens, die auch in diesem Jahr am 11. September bundesweit an vielen Orten gepflegt wurde, in Thüringen unter anderem in Arnstadt, Bad Salzungen, Erfurt und Suhl. Eine notwendige Tradition ist es auch, dass die Ehrungen überparteilich angelegt sind. Denn eine Lehre aus dem deutschen Faschismus und dem Widerstand gegen den NS war, dass Antifaschisten zusammen stehen müssen – was auch immer sie in anderen politischen, kulturellen, religiösen oder lebensweltlichen Fragen trennt. Und so versammelten sich beispielsweise auf dem Erfurter Hauptfriedhof am Ehrenhain der Verfolgten des Naziregimes neben Angehörigen von Opfern des Faschismus auch Vertreter und Abgeordnete von CDU, DIE LINKE, DKP und SPD, Erfurts Bürgermeisterin, Gewerkschafter, junge Antifaschisten und eine Reihe von Mitgliedern der Thüringer Vereinigung der Verfolgten des Naziregimes / Bund der Antifaschisten (TVVdN/BdA). Die Fraktionen des Erfurter Stadtrates legten einen gemeinsamen Gedenkkranz am Ehrenhain nieder. „Ehrendes Gedenken dem Antifaschistischen Widerstand und den Opfern des Naziregimes“, heißt es in eisernen Buchstaben an der langen Wand aus Stein. Und: „Im ehrenden Gedenken an die durch den Faschismus in den Jahren 1933 – 1945 ermordeten jüdischen Bürger der Stadt Erfurt“.

Nachdem im vergangenen Jahr Steffen C. Lemme, Thüringer Bundestagsabgeordneter der SPD, die Gedenkworte hielt, sprach dieses Jahr Elke Pudszuhn, Landesvorsitzende des TVVdN/BdA und Tochter der Widerstandskämpfer Hans und Else Raßmann. In ihrer Rede warnte sie unter anderem vor den politischen Gefahren durch die neue Rechtspartei AfD und wies darauf hin, dass während des NS viele Menschen nur deshalb überlebt hätten, da sie als Flüchtlinge in anderen Ländern Asyl gefunden hätten. Gegen den aktuellen Rechtstrend und gegen rassistische Hetze müsse gelten: „Unsere Alternative heißt Solidarität!“ Bis heute gelte es, an den Schwur von Buchenwald zu erinnern: „Die Vernichtung des Nazismus mit seinen Wurzeln ist unsere Losung, der Aufbau einer neuen Welt des Friedens und der Freiheit ist unser Ziel“. Zum Abschluss sprach Karl-Heinz Voigt, Sohn des KPD-Landtagsabgeordneten, Widerstandskämpfers und späteren Buchenwaldhäftlings Arno Voigt, noch einige bewegende Worte zum Erinnern an die Opfer und den antifaschistischen Widerstand.

Seit 1947 liegt der Termin des Gedenkens an die Opfer des Faschismus auf dem zweiten Sonntag im September – im kommenden Jahr also zum 70. mal. Es ist zu hoffen, dass am 10. September 2017 noch mehr Menschen an noch mehr Orten als in diesem Jahr zum Gedenken zusammen kommen! (Paul Wellsow)

Suhl: Erinnern, Gedenken, Mahnen

8. September 2016

Seit 1945 ist der 2. Sonntag im September der Mahn- und Gedenktag für die Opfer des Faschismus. Seit 1990 wird der Tag als Tag der Erinnerung und Mahnung begangen.

In diesem Jahr wird am Sonntag, dem 11. September um 10.00 Uhr, am Denkmal der antifaschistischen Widerstandskämpfer im Suhler Stadtpark an die Opfer erinnert und aufgerufen, gegen Fremdenfeindlichkeit, Rassismus und Krieg, für ein friedliches und gleichberechtigtes Miteinander der Menschen einzutreten, unabhängig von Geschlecht, Herkunft, Alter, sozialem Status und Religionszugehörigkeit.

Die Gedenkworte spricht Herr Jochen Traut vom Sprecherrat der Basisgruppe Suhl/Südthüringen des Thüringer Verbandes der Verfolgten des Naziregimes/Bund der Antifaschisten.

Im Vorfeld des Gedenktages wird am Freitag um 18.00 Uhr im Klappstuhl-Kino in Suhl-Mäbendorf der nie aufgeführte Film „Laß mich doch eine Taube sein“ (DDR – Jugoslawien, 1989) gezeigt. Roman und Drehbuch von Wolfgang Held, Weimar. Mit u.a. den Schauspielern Manfred Möck, GjkoMitic, Vanja Drach, Marina Markovic, Hildegard Alex.

1943 wird in Slowenien die Partisaneneinheit „Ernst Thälmann“ gebildet, die sich aus Angehörigen der deutschen Minderheit und Überläufern der Wehrmacht zusammensetzt. Die junge Anna Sulka gehört dazu. Ihr Bruder Josef ist bei der Waffen-SS. Der Vater Hans möchte sich aus den Kämpfen heraushalten. Vergeblich erklärt er seinem Enkel Boris, dass er eine Taube, kein Habicht sein möchte, sich nicht gegen eines seiner Kinder entscheiden will. Er betreibt einen Handel und ist – wegen der Passierscheine – auf die Hilfe des SS–Kommandeurs Schnitzinger angewiesen. Der versucht über Sulka an die Partisanen heranzukommen. Nach der gewaltsamen Befreiung von Geiseln durch die Partisanen erpresst er den jungen Josef Sulka. Die Partisanen werden aufgerieben. Der den Betrug erkennende Vater erschießt seinen Sohn.

Erinnern – Gedenken – Mahnen

2. August 2016

Am Donnerstag, den 18. August 2016 um 17.00 Uhr findet im Hof des Krematoriums des ehemaligen KZ Buchenwald eine gemeinsame Gedenkveranstaltung des Thüringer Verbandes der Verfolgten des Naziregimes/Bund der Antifaschisten und der Lagerarbeitsgemeinschaft Buchenwald-Dora statt.

Die Gedenkworte spricht Prof. Dr. Ludwig Elm, TVVdN/BdA.

Elke Pudszuhn, Landesvorsitzende TVVdN/BdA
Günter Pappenheim, Vorsitzender der LAG Buchenwald-Dora

Die 24. Antifa-Bildungsreise vom 5. bis 8. Mai 2016 an den Bodensee

22. Mai 2016

36 Kameradinnen und Kameraden der Thüringer VdN-BdA fuhren in diesem Jahr an den Bodensee. Gemeinsam mit Vertretern der Gruppe der VVN-BdA Ravensburg/Oberschwaben, die wir im vergangenen Jahr in Turin bei den Partisanen kennenlernten, besuchten wir Erinnerungsstätten der Gräuel des Faschismus in der Umgebung von Friedrichshafen. Das Wetter und die Stimmung waren bestens. Es gab viel zu diskutieren, denn es gibt leider viele Parallelen im Heute zu den zwanziger und dreißiger Jahren des vorigen Jahrhunderts. Faschistische Ideologien durchdringen, leider von der Politik ignoriert, die Gesellschaften in Europa. Mit dem Motto “Erinnern, Gedenken, Mahnen” begegnen wir diesem Trend bei vielen sich ergebenden Gelegenheiten.

Seit 24 Jahren organisieren Mitglieder der Thüringer VdN-BdA Besuche von Gedenkstätten des Terrors und des Widerstandes in vielen Ländern Europas. Das dabei Erfahrene und Erlebte bestätigt, dass ein Vergleich des faschistischen Deutschlands mit den Fehlern in der DDR-Geschichte unredlich ist und nur die Rechtsentwicklung in unserem Land weiter begünstigt.

In Überlingen wurde 1944, in Folge der massiven alliierten Bombardierungen der Rüstungsbetriebe in Friedrichshafen, unter der Leitung der Firma Siemens mit dem Bau einer Stollenanlage im Molessafelsen begonnen. Die Rüstungsfirmen Luftschiffbau Zeppelin (V2 – Raketen-Teile), Maybach (Motoren für Panzer u. a.), Dornier (Flugzeuge) und Zahnradfabrik Friedrichshafen (Getriebe für Panzer) sollten unterirdisch, vor Bombardierungen sicher, mit jeweiligem Straßen- und Bahnanschluss untergebracht werden.

Im Herbst 1944 wurde bei Aufkirch, nordwestlich von Überlingen, ein KZ-Außenkommando für 800 Häftlinge, vor allem Italiener und Slowenen, aus dem KZ Dachau errichtet. Mindestens 222 Häftlinge des Überlinger Lagers kamen bis zur Befreiung durch französische Truppen im April 1945 bei Arbeitsunfällen mangels Arbeitsschutz, durch Unterernährung und Gewalteinwirkung ums Leben. Nur zwei Häftlingen gelang die Flucht aus dieser Hölle. Diese Stollenanlage besuchten wir unter Führung von Oswald Burger, engagierter ehrenamtlicher Freizeitforscher der Geschichte dieser mehrere Kilometer umfassenden Stollenanlage. In 12-Stunden-Schichten schufteten die Häftlinge unter unmenschlichen Bedingungen.

97 zu Tode gekommene Häftlinge wurden im Februar 1945 im Wald Degenhardt in einem Massengrab verscharrt. Auf Befehl der französischen Militärregierung wurden nach Kriegsende die sterblichen Überreste aus dem Waldstück Degenhardt bei Überlingen exhumiert und am 9. April 1946 auf dem neu geschaffenen KZ-Friedhof Birnau beigesetzt. Auf diesem Friedhof fand in unserem Beisein am 7. Mai eine beeindruckende Gedenkfeier statt. Es wurde von den Rednern nicht nur an die Schrecken des Faschismus erinnert, sondern der Bogen wurde vom Damals ins Heute gespannt. Ein syrischer Flüchtling sprach über den Krieg in seinem Land und dass seine Familie in viele Länder als Folge des grausamen Krieges zerrissen wurde. Elke Pudszuhn, die vor wenigen Tagen wiedergewählte Vorsitzende der Thüringer VdN-BdA, erinnerte in ihrer Grußadresse an den Schwur von Buchenwald, den es noch immer einzulösen gilt. Mit dem gemeinsamen Singen des Liedes “Die Moorsoldaten” endete die Veranstaltung. Danach trafen wir uns mit Antifaschisten aus Italien und dem Bodenseegebiet zum gemeinsamen Essen und Erfahrungsaustausch. Wir danken besonders Josef Kaiser von der VVN Ravensburg/Oberschwaben, der das Programm gemeinsam mit Elke vorbereitet hat und uns zu allen Stätten begleitete.

Am 8. Mai, dem Tag der Befreiung vom Faschismus, besuchten wir das ehemalige „Würthembergische Schutzhaftlager Oberer Kuhberg“, in der Stadt Ulm an der Donau. Es war eines von mindestens 80 frühen Konzentrationslagern nach dem Reichstagsbrand von 1933 in dem vor allem Kommunisten, Sozialdemokraten und auch standhafte Christen unter unmenschlichen Bedingungen interniert wurden. In der alten Festung auf dem Kuhberg wurden von November 1933 bis Juli 1935 etwa 600 Männer zwischen 17 und 71 Jahren einer bestialischen Wachmannschaft von SA und SS ausgesetzt. Denen ging es darum, die Gefangenen nicht zu ermorden, sondern ihnen das Selbstbewusstsein zu brechen. Übrigens, der Leiter dieses KZ wurde in der Alt-BRD nie zur Rechenschaft gezogen. Die Häftlinge hausten in kalten Kasematten ohne Sanitäranlagen und wenig Licht. Mir persönlich verschlug es die Sprache, als ich von den Leiden der dort Inhaftierten hörte.
Die bekanntesten Häftlinge in der Festungshaft waren Kurt Schumacher als SPD-Reichstagsabgeordneter und Alfred Haag als KPD-Landtagsabgeordneter, die in Einzelzellen untergebracht waren. Die meisten Häftlinge wurden später weiter im KZ Dachau und anderen gequält.
Neben dem Besuch der Gedenkstätten erlebten wir einen Schiffsausflug auf dem Bodensee und besuchten das Zeppelinmuseum in Friedrichshafen. Abends saßen wir gemütlich bei Wein oder Bier und gemeinsamen Gesang zusammen. Dabei tauschten wir unsere Erfahrungen im antifaschistischen Wirken aus und berieten Möglichkeiten der gemeinsamen Arbeit.
Jutta Wiesel aus Unterwellenborn wird nach dem Erlebten die Basisgruppe der VdN-BdA Saalfeld-Rudolstadt künftig als Mitglied verstärken.

Die Zahl der Zeitzeugen des Faschismus wird immer kleiner, es gilt die Erinnerungsarbeit neu zu überdenken, damit auch die junge Generation die antifaschistischen Erfahrungen übernehmen und die richtigen Schlüsse für ihr Handeln ziehen kann.

Unser Dank gilt Elke Pudszuhn als Cheforganisatorin, dem Busfahrer Achim und den Kameraden aus Ulm und Überlingen für die erlebnisreiche Antifa-Fahrt 2016.

J. Powollik, Basisgruppe der VdN-BdA SLF-RU

Und im nächsten Jahr machen wir die 25. Antifa-Fahrt und hoffen auf rege Teilnahme, auch von vielen Neueinsteigern.

Wer sich weiter zum Thema der Reise im Internet informieren möchte:

bodensee gruppenbild

8. Mai: Gedenken am Sowjetischen Ehrenmal in Erfurt

12. Mai 2016

Gemeinsam mit der „Deutsch-Amerikanischen Gesellschaft“ (DAG) und der „Deutsch-Russischen-Freundschaftsgesellschaft in Thüringen“ (DRFG) veranstaltet unser Verband seit vielen Jahren am 8. Mai in Erfurt eine Veranstaltung zum Gedenken an die Befreiung vom deutschen Faschismus und zur Ehrung der Opfer des NS. In diesem Jahr sprachen am „Sowjetischen Ehrenmal“ auf dem Erfurter Hauptfriedhof unter anderem Dr. Martin Kummer als Vorsitzender der Thüringer DRFG, für die Landesregierung die Thüringer Sozialministerin Heike Werner (Die Linke), der russische Generalkonsul Wjatscheslaw Logutow, Tim Segler für die DAG und Paul Wellsow als stellvertretender Vorsitzender des „Thüringer Verbandes der Verfolgten des Naziregimes / Bund der Antifaschisten“ (TVVdN/BdA). Wir dokumentieren hier die Rede unseres Verbandes:

Auch im Namen des Thüringer Verbandes der Verfolgten des Naziregimes / Bund der Antifaschisten möchte ich Sie herzlich begrüßen! Erlauben Sie mir, dass ich zu Beginn ein paar Worte aus aktuellem Anlass sage. Ich möchte heute mit einem ausdrücklichen Dank an die Stadt Erfurt beginnen.

Für den heutigen Tag, den 8. Mai, hatte in Erfurt eine rechtsextreme Organisation einen sogenannten „Trauermarsch“ angemeldet. Mit mehreren Hundert Personen wollten sie gegen das Gedenken am 8. Mai, gegen den „Tag der Befreiung“ aufmarschieren und ihre geschichtsverdrehenden Parolen unter dem Motto „Wir feiern nicht“ auf die Straße tragen – eine schaurige Vorstellung nicht nur am 8. Mai – aber ganz besonders an diesem Tag.

In der Organisation mit dem harmlos klingenden Namen „Europäische Aktion“ sammeln sich Holocaust-Leugner und Geschichtsrevisionisten aus Deutschland und mehren Ländern Europas.

Die Stadt Erfurt hat diesen Aufmarsch, hat diese Provokation von ganz rechts außen verboten. Diese Entscheidung war richtig. Und dafür möchte ich ausdrücklich im Namen unseres Verbandes danken.

Der Dank gebührt aber natürlich auch gerade jenen, die seit Jahr und Tag ihre freie Zeit und ihre Wochenenden dafür hergeben, gegen Nazis zu demonstrieren – so waren ja auch für Heute eine Reihe von antifaschistischen Kundgebungen angemeldet.

Auch das Verwaltungsgericht hat das Verbot bestätigt, da mit dem Aufmarsch „die Billigung der nationalsozialistischen Gewalt- und Willkürherrschaft in einer der Würde der Opfer verletztender Weise erfolgen wird“. Auch das ist eine richtige Entscheidung – besser als die eines anderes Verwaltungsgerichts, das jüngst einen rechtsextremen Fackelmarsch am 20. April erlaubt hat.

Mir sei die Anmerkung erlaubt, dass ich nicht nur den heutigen Aufmarsch der „Europäischen Aktion“ für verbotswürdig halte, sondern die ganze Organisation.

Hier am „Sowjetischen Ehrenmal“ auf dem Erfurter Hauptfriedhof wird den sowjetischen Soldaten und Zwangsarbeitern gedacht, die in Erfurt ihr Leben verloren haben.

„Hier ruhen die sterblichen Hüllen sowjetischer Bürger, die im Kampf für unsere sowjetische Heimat fielen. Schlaft liebe Brüder, Ihr werdet von unserem sowjetischen Volk nicht vergessen. Erster Mai 1948.“

So steht es auf der Gedenktafel am Ehrenmal, auf Tafeln und Steinen zudem die Namen der Opfer.

Der 8. Mai 1945 war und ist eine welthistorische Zäsur – er ist der Tag des Sieges über den Faschismus und der Tag der Vollendung der Befreiung von der NS-Diktatur – das gilt es immer wieder zu betonen.

Auf ihrem schwer erkämpften Weg von den Ufern der Wolga und von den Küsten der Normandie in das Innere des damaligen Deutschen Reiches hatten die Soldaten der Alliierten Millionen Menschen aus der Gewalt der Eroberer befreit, Franzosen und Russen, Belgier und Luxemburger, Niederländer, Ukrainer und Polen. Für all diese Menschen hatte das Wort Befreiung einen unzweideutigen, einen sofort spürbaren Sinn. Jahre des Mordes, der Versklavung, der Verschleppung, der Drohungen, des Lebens in Angst waren vorbei. Viele sagten rückblickend, ihnen sei ein zweites Mal das Leben geschenkt worden.

Der 8. Mai war auch für die in den deutschen Konzentrationslagern eingesperrten Menschen eine Befreiung, für Jüdinnen und Juden, Sinti und Roma, die politischen Häftlinge in Zuchthäusern und Gefängnissen, Kommunisten, Sozialdemokraten, Christen, Demokraten, die sogenannten „Asozialen“, für Kriegsgefangene und ausländische Zwangsarbeiter, die im Untergrund abgetauchten Widerstands-KämpferInnen oder die stille Opposition.

Der Sieg der Alliieren über die Nazi-Barbarei legte auch die Grundlage für unsere heutiges Leben.

Wenn man vom 8. Mai 1945 redet, dann muss man aber auch über das Jahr 1933 und die Zeit davor sprechen. Man muss darüber sprechen, wie die Nazis an die Macht kamen, wer ihnen half und welche Fehler gemacht wurden, um zu verhindern was dann geschah.

Eine gute und notwendige Tradition des Gedenkens an die Opfer des Faschismus – zum Beispiel hier am 8. Mai und bei vielen anderen Veranstaltungen – war und ist es, dass das Gedenken überparteilich angelegt ist. Denn eine Lehre aus dem deutschen Faschismus und dem Widerstand gegen den Nationalsozialismus war doch, dass Antifaschistinnen und Antifaschisten zusammen stehen müssen – was auch immer sie in anderen politischen, kulturellen, religiösen oder lebensweltlichen Fragen trennt.

Das Gedenken an die Befreiung am 8. Mai sollte auch Anlass sein, um die Mahnung der Opfer des Faschismus nicht ungehört verklingen zu lassen und sie ins Heute zu transportieren.

Brandanschlägen auf Flüchtlingsunterkünfte, rechte Gewalt gegen Migrantinnen und Migranten, Attacken auf Journalisten oder alternative Jugendliche, RechtsRock-Konzerte mit 3.500 Neonazis wie gestern Abend in Hildburghausen … – all das ist in Deutschland erschreckender Alltag.

Zugleich müssen wir in einer Reihe von Landesparlamenten die Reden geistiger Brandstifter hören. In Mecklenburg-Vorpommern ist das seit vielen Jahren die NPD, hier in Thüringen ist es die AfD. Die Unterschiede, die es zwischen ihnen gab, verwischen zunehmend.

Das hat auch die Debatte um den 8. Mai im letzten Jahr noch einmal klar gemacht. Es war vor allem eine Fraktion im Thüringer Landesparlament, die mit Geschichtsrevisionismus in der Debatte um den Tag der Befreiung auftrat. Das reichte bis dahin, dass ein Abgeordneter der AfD doch tatsächlich die Frage in den Raum stellte, wer „denn den ersten Schuss abgegeben“ hätte, „bevor die Kriegserklärung abgegeben wurde“ – eine klassische Behauptung von ganz rechtsaußen zur Verdrehung der Geschichte, zur Relativierung von Verantwortung und Schuld, gekleidet in Form einer scheinbar harmlosen Frage.

Als Thüringer VVN / BdA begrüßen wir ausdrücklich die Einführung des 8. Mai als gesetzlichen Gedenktag in Thüringen. Seit Jahren setzen wir uns gemeinsam mit anderen dafür ein, den 8. Mai auch bundesweit zu einem Gedenk- oder Feiertag zu machen. Das wäre ein notwendiges Signal gegen das Verdrängen, gegen die Verharmlosung durch Vergleich, gegen die Verdrehung der Geschichte und für das Erinnern.

„Die Vernichtung des Faschismus mit seinen Wurzeln, der Aufbau einer neuen Welt des Friedens und der Freiheit ist unser Ziel“ … der Schwur der Befreiten Häftlinge des KZ Buchenwald ist bis heute Leitmotiv unseres Verbandes.

Am 8. Mai bleibt uns nur in Richtung der antifaschistischen Widerstands-KämpferInnen, der Partisanen quer durch Europa und der Alliierten zu sagen:

Danke! Thank you! Merci! спаси́бо!

08_05_2016_Erfurt_Ehrenmal

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