Erinnerungen an den Antifaschisten Ludwig Pappenheim zum 130. Geburtstag

5. März 2017

von Elke Pudszuhn

Ludwig PappenheimAm 17. März 1887 wurde Ludwig in der jüdischen Kaufmannsfamilie Pappenheim in Eschwege geboren. Nach dem Realschulabschluss ging er nach Hamburg in die kaufmännische Lehre, die er erfolgreich abschloss. In der Hansestadt Hamburg trat er am 1. Januar 1905 der SPD bei, ging zurück nach Eschwege und wurde in seinem Heimat- und Wahlkreis Eschwege, Witzenhausen, Schmalkalden politisch aktiv.
Auf einer Wahlkundgebung zu den Reichstagswahlen 1912 sprach Ludwig Pappenheim in Vertretung des Bezirkssekretärs und seines Freundes Georg Thöne auf einer Wahlkundgebung im Bürgersaal Schmalkalden. Mit Thöne kam erstmals ein Sozialdemokrat aus diesem Wahlkreis direkt in den Reichstag.

Ludwig Pappenheim hasste den Krieg und musste trotzdem vier Jahre an die Ostfront. In einem von ihm mit anderen Kameraden an der Front 1918 herausgegebenen Flugblatt mit der Überschrift „Kameraden erwacht“! heißt es:

„Die Erde scheint nichts weiter als ein riesengroßer Mordplatz! Alle Schuld an dem rasenden Völkermorden trägt das System der kapitalistischen Ausbeutung der Massen durch eine Minderheit Kapitalbeherrscher …“

Während der Novemberrevolution wurde über Schmalkalden der Belagerungszustand verhängt, Pappenheim verhaftet und unter dem Vorwand des Landfriedensbruches vorübergehend im Zuchthaus Kassel-Wehlheiden inhaftiert. 1919 gründete er mit Genossinnen und Genossen der SPD die Zeitung „Die Volksstimme“, deren Chefredakteur er wurde. Er beteiligte sich an der Niederschlagung des Kapp-Putsches im Jahre 1920 und unterstützte im Herbst 1921 die 900 streikenden Metallarbeiter in Schmalkalden.
Am 22. Oktober 1922 wurde er zum Kreisvorsitzenden der SPD und am 30. August 1925 zum Landtagsabgeordneten des Provinzial-Landtages der Provinz Hessen-Nassau und in den Kommunallandtag des Regierungsbezirkes Kassel gewählt. Ab 1929 war er unbesoldeter Beigeordneter des Schmalkalder Magistrats, stellvertretender Landrat und Mitglied in mehreren städtischen Deputationen und Kommissionen.
In der Arbeiterschaft war Ludwig Pappenheim beliebt, da er sich stets für sie einsetzte. Die Nazis, in Thüringen seit 1932 an der Macht, hatten ihn zu ihrem Feind erklärt. Unter Missachtung seiner Immunität als SPD-Landtagsabgeordneter und stellvertretender Landrat von Schmalkalden wurde er bereits am 25. März 1933 – nur zwei Tage nach Erlass des sogenannten „Ermächtigungsgesetzes“ – von der SA in „Schutzhaft“ genommen. Pappenheim war am 5. März 1933 erneut in den hessischen Landtag gewählt worden. Erst im Konzentrationslager erreichte ihn die Nachricht, dass seine Wahl von den Nazis für ungültig erklärt wurde.
Da die „Schutzhaft“ Pappenheims wegen eines „versteckt angelegten Waffenlagers“ ebenso absurd wie lächerlich war, wurde er wegen „Gotteslästerung“ zu drei Monaten Gefängnis verurteilt, die er im Gefängnis in Suhl verbüßte. Am Entlassungstag am 27. Juli 1933 erlangte er nicht die Freiheit. Wie vielen anderen Antifaschisten erteilte man ihm beim Verlassen des Gefängnisses den „Schutzhaftbefehl“.
Seine Odyssee begann im Kasseler Polizeigefängnis. Von dort kam er in das KZ Breitenau und am 16. Oktober 1933 wurde er in das KZ Börgermoor, Lager 5, Baracke 7, Außenlager Neusustrum verbracht. In diesem Lager wurde er am 4. Januar 1934 „auf der Flucht“ erschossen.

Zwei Meldungen dazu:

Erklärung der KZ-Lagerleitung in einer Tageszeitung des Emslandes:
„Auf der Flucht erschossen. Papenburg. Das frühere langjährige sozialdemokratische Mitglied des Kasseler Kommunallandtages und Redakteur der sozialdemokratischen „Volksstimme“ in Schmalkalden L. Pappenheim, der sich in einem KZ an der holländischen Grenze befand, ist dort bei einem Fluchtversuch erschossen worden.“

In einer anderen Quelle heißt es:
„… im KZ wurde P. mißhandelt und verhöhnt, dann kam er in den Bunker … Er sollte einen Abschiedsbrief an seine Familie schreiben. Jede Nacht wurde er verprügelt. Am 3. Januar 1934 brach er beim Appell zusammen. Am 4. Januar 1934 wurde er auf der Flucht erschossen. Der SS-Mann Johann Siems rühmte später seinen „Meisterschuß“, der gegen 11.30 Uhr erfolgte.“

Seine Frau Frieda war nun alleinstehend und hatte für ihre Tochter Erna sowie für die Kinder aus der Ehe mit Ludwig Ruth (9), Günter (8) und Kurt (6) Jahre alt zu sorgen. Die Familie war geächtet und ständigen Schikanen der Nazis ausgesetzt.

Kurt Pappenheim schrieb in seinen Erinnerungen:
„Allein auf uns gestellt, hätten wir die Drangsal der Nazizeit nicht durchstehen können. In dieser Zeit haben wir vielfach Hilfe und Solidarität erfahren … überbrachte Sach-, Lebensmittel- und Geldspenden ermöglichten das Überleben der Familie …“

Günter Pappenheim hatte am Nationalfeiertag der Franzosen am 14. Juli 1943 den französischen kriegsgefangenen Zwangsarbeitern in der Werkzeugfabrik „Gebrüder Heller“, Schmalkalden, auf seiner Ziehharmonika ihre Nationalhymne gespielt. Denunziert, kam er wegen „staatsfeindlicher Einstellung“ in das Arbeitserziehungslager „Großer Gleichberg“ bei Römhild, später in das KZ Buchenwald, wo er am 11. April 1945 die Selbstbefreiung erlebte.
Er ist heute Erster Vizepräsident des Internationalen Komitees Buchenwald–Dora und Kommandos sowie Vorsitzender der Lagerarbeitsgemeinschaft Buchenwald-Dora. Am 27. Januar 2017 erhielt er auf Erlass des Präsidenten der Französischen Republik die Insignien eines Kommandeurs der Ehrenlegion, die ranghöchste staatliche Auszeichnung Frankreichs.

Kurt Pappenheim wurde noch im Oktober 1944 in das Zwangsarbeitslager Weißenfels/Halle eingewiesen. Er überlebte das faschistische Regime. Seit Jahrzehnten ist er als Zeitzeuge unermüdlich tätig und geachteter Gesprächspartner bei Jugendlichen und Studenten.

Nach der Befreiung vom Faschismus 1945 beschloss die Thüringer Landesregierung, den Ort Kleinschmalkalden in „Pappenheim“ umzubenennen. Nach 1990 wurde der Ort nach einer initiierten Volksbefragung wieder in Kleinschmalkalden umbenannt. 1987 erhielt eine Schule in Schmalkalden den Namen des ermordeten Antifaschisten Ludwig Pappenheim. Der Schulname wurde nach 1990 stillschweigend getilgt.

Neben den Gedenksteinen auf dem Friedhof Eichelbach/Schmalkalden und im Ort Kleinschmalkalden wurde zum 110. Geburtstag von Ludwig Pappenheim 1997 in Trusetal ein Platz nach ihm benannt und ein neuer Gedenkstein eingeweiht.
Am 21. Juni 2011 wurde vor dem ehemaligen Standort des Elternhauses in Eschwege und am 9. November 2011 vor dem ehemaligen Sitz der Redaktion der sozialdemokratischen Parteizeitung „Die Volksstimme“ in Schmalkalden für Ludwig Pappenheim ein Stolperstein verlegt.

Literaturhinweis:
König, York-Egbert/Krause-Vilmar, Dietfried/Simon, Ute: Ludwig Pappenheim. Redakteur-Sozialdemokrat-Menschenfreund. Hentrich & Hentrich Verlag, Berlin 2014. Erschienen in der Reihe Jüdische Miniaturen des Centrum Judaicum.

Günter Pappenheim ausgezeichnet

12. Februar 2017

Wir dokumentieren eine Information der Lagerarbeitsgemeinschaft Buchenwald-Dora e.V. zur Auszeichnung von Günter Pappenheim mit den Insignien eines Kommandeurs der Ehrenlegion der Französischen Republik. Auch unsere Landesvorsitzende Elke Pudszuhn gratulierte Pappenheim im Namen des gesamten Landesverbandes für diese Auszeichnung.

Am 27. Januar 2017 überreichte der Botschafter der Französischen Republik in Deutschland, Philippe Etienne, in Erfurt an den ehemaligen Häftling des Konzentrationslagers Buchenwald, Günter Pappenheim, die Insignien eines »Kommandeurs der Ehrenlegion«. Die ranghöchste staatliche Auszeichnung Frankreichs erfolgte auf Erlass des Präsidenten der Französischen Republik. Gewürdigt wird damit das lebenslange völkerverbindende Engagement des einundneunzigjährigen Antifaschisten, der Vorsitzender der Lagerarbeitsgemeinschaft Buchenwald-Dora ist und Erster Vizepräsident des Internationalen Komitees Buchenwald – Dora und Kommandos sowie Mitglied des Ehrenpräsidiums der Fédération Internationale des Résistants (FIR). In Ansprachen des Präsidenten des Thüringer Landtages, Christian Carius und des Ministers und Chefs der Staatskanzlei im Freistaat Thüringen, Benjamin Immanuel Hoff, wurde die hohe Wertschätzung der Zivilcourage und des Mutes im Widerstands gegen das Naziregime des Ausgezeichneten hervorgehoben. In seinen Dankesworten unterstrich Günter Pappenheim, dass für ihn »… Die Vernichtung des Nazismus mit seinen Wurzeln … und die Errichtung einer neuen Welt des Friedens und der Freiheit …«, wie es im Schwur von Buchenwald heißt, Kompass in seinem Leben war und dass es notwendig sei, in diesem Sinne weiter zu handeln.

Lagerarbeitsgemeinschaft Buchenwald-Dora e.V.

Günter Pappenheim

Gedenken an Suhler Antifaschisten der Friedberg-Widerstandsgruppe

1. Januar 2017

Am 5. Januar 1945 wurden acht Antifaschisten der Widerstandsgruppe “Friedberg” Adolf Anschütz, Rudolf Gerngroß, Friedrich Heinze, Ernst König, Emil Recknagel, Minna Recknagel, Karl Stade und Ewald Stübler im “20-Sekunden-Takt” im Lichthof des Landesgerichtsgefängnisses Weimar hingerichtet.

Sie gehörten zu den über 200 Antifaschisten, die im Rahmen der beiden Massenverhaftungen des Reichssicherheitshauptamtes (RSHA) am 9. September 1943 und am 8. Juni 1944 in die Hände der Gestapo fielen, die in gewachsenen Widerstandsstrukturen der Betriebe und Wohnorte aktiv gewesen waren. Sie setzten ihren Widerstand auch unter den schwierigen Bedingungen der Haft in der Landesstrafanstalt Ichtershausen, weiteren Haftanstalten und im KZ fort.
In den nachfolgenden “Suhler Waffen- und Hochverratsprozessen” des Volksgerichtshofes (VGH) und des Reichskriegsgerichts wurden 1944/Anfang 1945 Todesurteile gefällt, bzw. hohe Freiheitsstrafen verhängt. Die sogenannten Hochverratsprozesse und der generelle Hochverratsvorwurf gegen Frauen und Männer im Widerstand gegen das herrschende NS-Regime dienten der Diskriminierung und Kriminalisierung des berechtigten Widerstandes gegen eine Politik, die Deutschland in den Untergang eines Welt- und Weltanschauungskrieges führte und schlussendlich mehr als 50 Millionen Menschen den Tod brachte.

Am Donnerstag, den 5. Januar 2017 um 14.00 Uhr werden Angehörige, Freunde und Mitglieder der Basisgruppe Suhl/Südthüringen des Thüringer Verbandes der Verfolgten des Naziregimes/Bund der Antifaschsten am Gedenkstein an der Wendeschleife Friedbergsiedlung der Ermordeten gedenken, daran erinnern, dass Krieg und Terror immer Opfer zu beklagen hat – damals wie heute.

Elke Pudszuhn
Sprecherrat Basisgruppe Suhl/Südthüringen TVVdN/BdA

Erklärung der Jahresversammlung der Basisgruppe Suhl/Südthüringen zur Einweihung einer Gedenktafel für Suhler Nazis am „Volkstrauertag“ auf dem Hauptfriedhof in Suhl

29. Dezember 2016

Auf der Jahresversammlung der Basisgruppe Suhl/Südthüringen der Verfolgten des Naziregimes/ Bund der Antifaschisten am 15. Dezember 2016 wurde folgende Erklärung zur Einweihung einer Gedenktafel für Suhler Nazis am „Volkstrauertag“ auf dem Hauptfriedhof in Suhl am 13. November 2016 verabschiedet:

Mit Empörung mussten wir zur Kenntnis nehmen, dass im Rahmen der Ehrungen zum „Volkstrauertag“ am 13. November 2016 auf dem Suhler Hauptfriedhof eine Gedenktafel „für Suhler Bürger“, die im sowjetischen Speziallager Nr. 2 in Buchenwald inhaftiert waren, angebracht wurde.
Der Text dieser Tafel spricht für die „verspätete Ehrung“, von Suhler Naziaktivisten, die als solche auf der Grundlage der Beschlüsse der Anti-Hitler-Koalition von den sowjetischen Organen inhaftiert und in das Speziallager 2 Buchenwald eingeliefert wurden.
Sie waren Blockleiter, Zellenleiter, aktive Mitglieder der NSDAP, Mitarbeiter der Gestapo, SS- und SA-Aktivisten und Polizisten, so sagt es das im Archiv der Gedenkstätte Buchenwald vorhandene Lagerjournal über die Insassen und den Grund ihrer Inhaftierung aus.
Als Block- und Zellenleiter waren sie auf Hitler vereidigt und lieferten Juden und Antifaschisten der Gestapo aus.
Der Text der Tafel auf dem Suhler Hauptfriedhof „Die Stadt Suhl gedenkt der Bürger ihrer Stadt, die im sowjetischen Speziallager Nr. 2 Buchenwald und in anderen Lagern der Alliierten unschuldig gelitten haben oder zu Tode gekommen sind.“
Die Haltung des Kulturausschusses des Suhler Stadtrates zu diesem Text ist für uns unverständlich und nicht zu billigen.
Wir fragen: Warum hat sich der Suhler Kulturausschuss dazu nicht sachkundig
gemacht, obwohl es dazu genügend Möglichkeiten gab?
Wir fragen: Wer ist die Stadt Suhl?
Wir fragen: Was heißt unschuldig?
Wir fragen: Sind Zellenleiter, Blockleiter, diejenigen, die im Auftrag des Naziregimes Bürger zu überwachen hatten, unschuldige Naziaktivisten?
Wir fragen: Warum wurde die Kritik des Stiftungsdirektors der Gedenkstätte Buchenwald Prof. Dr. Volkhard Knigge, veröffentlicht in der Tageszeitung „Freies Wort“, die Pläne der Stadt Suhl seien gekennzeichnet von „Unwissen und Gedankenlosigkeit, die zu Geschichtsklitterung und Geschichtsvergessenheit führen“, nicht beachtet?
NEIN, mit Duldung des Suhler Oberbürgermeisters wurde diese vollzogene „Ehrung“ von Suhler Naziaktivisten vorangetrieben und am „Volkstrauertag“ realisiert. Dazu sagte der Oberbürgermeister der Stadt Suhl Dr. Jens Triebel: „… auch Letztere haben nun … mit einer eigenen Gedenktafel am Suhler Ehrenmal eine Erinnerungsstätte gefunden, was richtig sei und längst überfällig war.“
Diese Worte entsprechen dem Zeitgeist und der Haltung derer, die diese verspätete Ehrung von Nazis am „Volkstrauertag“ im Jahr 2016 wollten.
Die Lehren:
Es ist an der Zeit die Geschichte der Stadt Suhl in den Jahren der faschistischen Herrschaft von 1933 bis 1945 in ihren historischen Zusammenhängen weiter aufzuarbeiten. Dies ist unsere Antwort und Aufgabe zugleich:
Die historische Wahrheit zu analysieren und diese öffentlich zu machen.

Anmeldung für 25. Antifa-Fahrt ab jetzt möglich!

4. Dezember 2016

Die 25. Antifa-Bildungsreise des TVVdN/BdA findet vom 04.-07. Mai 2017 statt und führt uns zu Gedenkstätten und Erinnerungsorten in Schleswig-Holstein. Besucht wird das dänische KZ Froslev und der Grenzbahnhof Harrislee, Flensburg und ein Ausflug nach Helgoland sind vorgesehen. Der Reisepreis beträgt ca. 270.-€. Anmeldungen nimmt Elke Pudszuhn (03682/43765 oder e-mail: elke.pudszuhn@googlemail.com) entgegen.

Gedenkveranstaltung des TVVdN/BdA in Niederorschel

28. Oktober 2016

Am Freitag, den 9. September 2016 fand in Heilbad Heiligenstadt eine Beratung des Geschäftsführenden Landesvorstandes des Thüringer Verbandes der Verfolgten des Naziregimes – Bundes der Antifaschisten e.V. (TVVdN – BdA e.V.) statt. Daran schloss sich ein Besuch der Gedenkstätte des Außenlagers des ehemaligen KZ Buchenwald in Niederorschel. An der ehemaligen Rampe des Bahnhofes, an der 1944 die Züge mit den vorwiegend jüdischen Häftlingen aus anderen Konzentrationslagern einliefen, trafen sich die Kameradinnen und Kameraden des Landesvorstandes mit Vertretern der Gemeinde Niederorschel und Mitgliedern der Eichsfelder Linken.
Herr Jaritz, stellvertretender Bürgermeister der Gemeinde Niederorschel, begrüßte die Anwesenden, Herr Große, Ortschronist und Herr Dannoritzer, ehemaliger Bürgermeister von Niederorschel, stellten in einem Exkurs in das Jahr 1944 die Ankunft der Häftlinge, ihr Leben, ihre Arbeit für die deutsche Rüstungsindustrie, aber auch ihr Leiden und Sterben dar. Nach einem Rundgang durch das Areal des ehemaligen KZ und des Rüstungsbetriebes gedachten die Teilnehmer der Veranstaltung an der Gedenkstätte der neunzehn Häftlinge, die das Lager in Niederorschel nicht überlebt hatten. Elke Pudszuhn, Tochter eines ehemaligen Buchenwaldhäftlings und Landesvorsitzende des TVVdN – BdA e.V. regte an, künftig in das Programm des jährlich im September stattfindenden Tages des offenen Denkmals auch die antifaschistischen Gedenkstätten einzubeziehen.
Zum Abschluss ließen sich die Gäste vom Ortschronisten Herrn Große durch die Dauerausstellung zum ehemaligen Konzentrationslager in der Heimatstube Niederorschel führen und trugen sich in das Gästebuch ein.
Herzlicher Dank gebührt an dieser Stelle noch einmal den Vertretern der Gemeinde Niederorschel, für die das Gedenken an die Opfer des Nazismus und die Erinnerung an dieses dunkle Kapitel der deutschen Geschichte in ihrem Heimatort eine Herzensangelegenheit ist.

Petra Welitschkin
Mitglied des Landesvorstandes des TVVdN – BdA e.V.

Gedenken an Ernst Thälmann

7. Oktober 2016

Wir dokumentieren ein Referat von Prof. Dr. Ludwig Elm aus Jena, gehalten am 18. August in Buchenwald.

Gehen wir bei unserem heutigen Gedenken an Ernst Thälmann anlässlich des 72. Jahrestages seiner Ermordung an diesem Ort exemplarisch von einigen Erinnerungen und Äußerungen von Zeitgenossen und Kampfgefährten aus.

Die Zeichner und Maler Lea und Hans Grundig fanden in Dresden in den zwanziger Jahren zur kämpferischen Arbeiterbewegung und wurden Mitglieder der KPD. Lea schilderte in ihren Erinnerungen eine Episode, die den Enthusiasmus bei der Vorbereitung und der Teilnahme an einer Großkundgebung des Roten Frontkämpferbundes (RFB) in Berlin rund um den Lustgarten verriet: Die Dresdner Kolonne mündete in „die unübersehbare Menschenmenge: „Ein mächtige Erregung hatte uns alle erfasst. Ernst Thälmann sprach.“(1) Jüdischer Herkunft, hatte Lea später durch Flucht und Emigration nach Palästina und Hans in Deutschland überleben können. Antifaschistische Erfahrung und Solidarität schlugen sich prägend im künstlerischen Lebenswerk der beiden Grundigs nieder.

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Gedenken an Opfer des Faschismus

16. September 2016

Der zweite Sonntag im September ist traditionell Anlass, die Opfer des Faschismus und die antifaschistischen Widerstandskämpferinnen und Widerstandskämpfer zu ehren – eine gute Tradition des Erinnerns und des Ehrens, die auch in diesem Jahr am 11. September bundesweit an vielen Orten gepflegt wurde, in Thüringen unter anderem in Arnstadt, Bad Salzungen, Erfurt und Suhl. Eine notwendige Tradition ist es auch, dass die Ehrungen überparteilich angelegt sind. Denn eine Lehre aus dem deutschen Faschismus und dem Widerstand gegen den NS war, dass Antifaschisten zusammen stehen müssen – was auch immer sie in anderen politischen, kulturellen, religiösen oder lebensweltlichen Fragen trennt. Und so versammelten sich beispielsweise auf dem Erfurter Hauptfriedhof am Ehrenhain der Verfolgten des Naziregimes neben Angehörigen von Opfern des Faschismus auch Vertreter und Abgeordnete von CDU, DIE LINKE, DKP und SPD, Erfurts Bürgermeisterin, Gewerkschafter, junge Antifaschisten und eine Reihe von Mitgliedern der Thüringer Vereinigung der Verfolgten des Naziregimes / Bund der Antifaschisten (TVVdN/BdA). Die Fraktionen des Erfurter Stadtrates legten einen gemeinsamen Gedenkkranz am Ehrenhain nieder. „Ehrendes Gedenken dem Antifaschistischen Widerstand und den Opfern des Naziregimes“, heißt es in eisernen Buchstaben an der langen Wand aus Stein. Und: „Im ehrenden Gedenken an die durch den Faschismus in den Jahren 1933 – 1945 ermordeten jüdischen Bürger der Stadt Erfurt“.

Nachdem im vergangenen Jahr Steffen C. Lemme, Thüringer Bundestagsabgeordneter der SPD, die Gedenkworte hielt, sprach dieses Jahr Elke Pudszuhn, Landesvorsitzende des TVVdN/BdA und Tochter der Widerstandskämpfer Hans und Else Raßmann. In ihrer Rede warnte sie unter anderem vor den politischen Gefahren durch die neue Rechtspartei AfD und wies darauf hin, dass während des NS viele Menschen nur deshalb überlebt hätten, da sie als Flüchtlinge in anderen Ländern Asyl gefunden hätten. Gegen den aktuellen Rechtstrend und gegen rassistische Hetze müsse gelten: „Unsere Alternative heißt Solidarität!“ Bis heute gelte es, an den Schwur von Buchenwald zu erinnern: „Die Vernichtung des Nazismus mit seinen Wurzeln ist unsere Losung, der Aufbau einer neuen Welt des Friedens und der Freiheit ist unser Ziel“. Zum Abschluss sprach Karl-Heinz Voigt, Sohn des KPD-Landtagsabgeordneten, Widerstandskämpfers und späteren Buchenwaldhäftlings Arno Voigt, noch einige bewegende Worte zum Erinnern an die Opfer und den antifaschistischen Widerstand.

Seit 1947 liegt der Termin des Gedenkens an die Opfer des Faschismus auf dem zweiten Sonntag im September – im kommenden Jahr also zum 70. mal. Es ist zu hoffen, dass am 10. September 2017 noch mehr Menschen an noch mehr Orten als in diesem Jahr zum Gedenken zusammen kommen! (Paul Wellsow)

Suhl: Erinnern, Gedenken, Mahnen

8. September 2016

Seit 1945 ist der 2. Sonntag im September der Mahn- und Gedenktag für die Opfer des Faschismus. Seit 1990 wird der Tag als Tag der Erinnerung und Mahnung begangen.

In diesem Jahr wird am Sonntag, dem 11. September um 10.00 Uhr, am Denkmal der antifaschistischen Widerstandskämpfer im Suhler Stadtpark an die Opfer erinnert und aufgerufen, gegen Fremdenfeindlichkeit, Rassismus und Krieg, für ein friedliches und gleichberechtigtes Miteinander der Menschen einzutreten, unabhängig von Geschlecht, Herkunft, Alter, sozialem Status und Religionszugehörigkeit.

Die Gedenkworte spricht Herr Jochen Traut vom Sprecherrat der Basisgruppe Suhl/Südthüringen des Thüringer Verbandes der Verfolgten des Naziregimes/Bund der Antifaschisten.

Im Vorfeld des Gedenktages wird am Freitag um 18.00 Uhr im Klappstuhl-Kino in Suhl-Mäbendorf der nie aufgeführte Film „Laß mich doch eine Taube sein“ (DDR – Jugoslawien, 1989) gezeigt. Roman und Drehbuch von Wolfgang Held, Weimar. Mit u.a. den Schauspielern Manfred Möck, GjkoMitic, Vanja Drach, Marina Markovic, Hildegard Alex.

1943 wird in Slowenien die Partisaneneinheit „Ernst Thälmann“ gebildet, die sich aus Angehörigen der deutschen Minderheit und Überläufern der Wehrmacht zusammensetzt. Die junge Anna Sulka gehört dazu. Ihr Bruder Josef ist bei der Waffen-SS. Der Vater Hans möchte sich aus den Kämpfen heraushalten. Vergeblich erklärt er seinem Enkel Boris, dass er eine Taube, kein Habicht sein möchte, sich nicht gegen eines seiner Kinder entscheiden will. Er betreibt einen Handel und ist – wegen der Passierscheine – auf die Hilfe des SS–Kommandeurs Schnitzinger angewiesen. Der versucht über Sulka an die Partisanen heranzukommen. Nach der gewaltsamen Befreiung von Geiseln durch die Partisanen erpresst er den jungen Josef Sulka. Die Partisanen werden aufgerieben. Der den Betrug erkennende Vater erschießt seinen Sohn.

Erinnern – Gedenken – Mahnen

2. August 2016

Am Donnerstag, den 18. August 2016 um 17.00 Uhr findet im Hof des Krematoriums des ehemaligen KZ Buchenwald eine gemeinsame Gedenkveranstaltung des Thüringer Verbandes der Verfolgten des Naziregimes/Bund der Antifaschisten und der Lagerarbeitsgemeinschaft Buchenwald-Dora statt.

Die Gedenkworte spricht Prof. Dr. Ludwig Elm, TVVdN/BdA.

Elke Pudszuhn, Landesvorsitzende TVVdN/BdA
Günter Pappenheim, Vorsitzender der LAG Buchenwald-Dora

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