Gegen das Vergessen – Die 26. Antifa – Bildungsreise, Ende Mai 2018 – 73 Jahre nach der Befreiung vom Faschismus

13. Juni 2018

In diesem Jahr begaben wir uns auf die Spuren der letzten Häftlinge des KZ in Bad Sulza, die am 9. Juli 1937 in das KZ Lichtenburg deportiert wurden, und später im neu gebauten KZ Buchenwald weiter leiden und sterben mussten.
Mit der massenweise Verfolgung von Kommunisten, Sozialdemokraten und bürgerliche Patrioten nach dem von den Faschisten durchgeführten Reichstagsbrand Ende Februar 1933 wurde am 13. Juni 1933 die Lichtenburg als „Sammellager“ für politische Gefangene in der Kleinstadt Prettin/ Sachsen Anhalt eröffnet. Die Lichtenburg wird damit zu einem der fünf von der SS geführten und der Inspektion der Konzentrationslager (IKL) unterstellten Lagern. Die Leiterin der Gedenkstätte, Frau Melanie Engler, erläuterte uns den brutalen, menschenverachtenden Gefangenenalltag und dass man die Schreie der Gepeinigten im Ort hören konnte. Der Terror und die Angst um das eigene Leben ließ die Einwohner schweigen und das Erlebte verdrängen. Die Lichtenburg war eines der Konzentrationslager, das über die gesamte dunkle Zeit des Faschismus betrieben wurde. Die bekannten Kommunisten Theodor Neubauer und Ernst Busse waren hier inhaftiert und wurden von hier in das KZ Buchenwald überführt. Von1937 bis 1939 wurde die Lichtenburg nach der Inbetriebnahme der großen Barackenlager in Buchenwald und Sachsenhausen eine brutale Peinigungsstätte für Frauen. Das Schicksal von Olga Benario, sie wurde 1942 in der »Euthanasie«-Anstalt Bernburg ermordet, steht für all die anderen gequälten und ermordeten Frauen. Im Prettiner Schloss befand sich damit das erste zentrale Frauen-KZ, das von der SS geführt wurde. Auch nach seiner weiteren Umnutzung gehen für die dort eingelieferten Häftlinge die Qualen weiter. Der ehemalige Bunker im Keller des Schlosses ist heute Mahnmal als Ort der Misshandlungen und des Todes. Die Inschrift »Es ist böse Zeit, mehr denn 1200 Menschen sind hier, die man zu Grunde richtet« in einer Zelle der Folterstätte belegt dies.

Am 23. April 1945 fliehen die SS-Männer vor der Roten Armee in Richtung Süden und zwingen die Gefangenen auf einen Todesmarsch. Anfang Mai verhaften Angehörige der U.S. Army die Bewacher in Hof (Bayern) und befreien die Gefangenen.
Im Bunker legten wir im Gedenken an die überlebenden und toten Häftlinge der Lichtenburg ein Gebinde nieder. Unklar blieb, was aus den Tätern wurde.
Bei unserem Besuch in Frankfurt an der Oder beschäftigten wir uns bei einem antifaschistischen Stadtrundgang mit dem Widerstand gegen die Nazibarbarei. Die Nationalsozialisten sperrten ihre politischen Gegner (darunter den späteren Oberbürgermeister Willy Jentsch) ins historische Gerichtsgefängnis ein, welches von 1933 bis 1945 Gestapo-Gefängnis war.

Während der Novemberpogrome 1938 wurde die Inneneinrichtung der Synagogevon Nationalsozialisten zerstört. Das Schicksal der Mitglieder der Widerstandsgruppen der KPD und auch der SPD nach ihrem Auffliegen waren Tod und Leiden in langer Gefangenschaft. Zwischen 1933 und 1945 kamen tausende Frankfurter durch die Nationalsozialisten zu Tode. Bis 2018 wurden mehr als 170 von ihnen ein Stolperstein gesetzt. Ihnen gedachten wir am Denkmal der Opfer des Faschismus. Die Stadt fiel im Frühjahr 1945 kurz vor ihrer Befreiung durch die Rote Armee einer Brandstiftung zum Opfer. 93% der Bausubstanz waren nur noch Trümmer.

Guben, der ehemaligen Wilhelm – Pieck – Stadt, galt unser nächster Besuch. Am Ende des Zweiten Weltkrieges erlitt die Stadt bedingt durch massive Kampfhandlungen vom 18. Februar bis 24. April 1945 schwere Zerstörungen. Fast 90 Prozent des historischen Stadtzentrums wurden zerstört. Am Denkmal für unseren ersten Präsidenten legten wir ein Gebinde ihm zu Ehren nieder.

Von Forst aus besuchten wir die beiden Städte, da sich hier unser Hotel befand.
Die SA schändete in der Progromnacht 1938 die Synagoge von Forst. Durch die Tat eines Feuerwehrmannes wurde sie vor dem Abbrennen gerettet, fiel aber 1945 den Kämpfen zum Opfer. Ein Gedenkstein erinnern an dieses Geschehen. Am 25. Februar 1945 begann die Schlacht um die Stadt. Mitte April eroberte die Rote Armee die Stadt Forst. Nach Beendigung der Kämpfe lagen 85 Prozent der Stadt in Trümmern. Am sowjetischen Ehrenmal für die Gefallenen Rotarmisten bei der Befreiung der Stadt erinnerten wir an ihr Opfer für uns. In der Nähe befindet sich ein Denkmal mit Ehrenhain für die Opfer des Faschismus und ein Gedenkstein für 80 erschossene Deserteure. 73 Jahre sind seitdem vergangen. Mit Hilfe der heutigen Medien und durch die Politik stehen die hier geschilderten Ereignisse nicht mehr im Fokus der Menschen. Gleichgültigkeit und Unwissen breiten sich aus und bereiten den Boden für das Anwachsen einer neuen faschistischen Gefahr. Dies kam in vielen Gesprächen zum Ausdruck. Mit unserem Handeln stellen wir uns der braunen Gefahr in den Weg.

In den besuchten Städten konnten wir schön renovierte Häuser, Kirchen, schöne Grünanlagen und große Wiesen, auf denen früher Häuser voller Menschen standen sowie Ruinen ehemaliger Betriebe sehen. Alle drei Städte haben seit 1990 über 40 % der Einwohner verloren.
Auch in diesem Jahr kam trotz aller Krisen die Lebensfreude bei der Reise nicht zu kurz. Eine Spreewald – Kahnfahrt und die gemütlichen Abende werden uns in Erinnerung bleiben.
An dieser Stelle möchten wir uns bei Elke, unserer Landesvorsitzenden, für die schwierige aber mit tollen Ergebnissen beendete Planung der Reise bedanken. Dank gilt auch dem Busfahrer Jürgen vom Busunternehmen Schmidt-Reisen, der Inhaberin Frau Wurmehl.

Ein weiterer besonderer Dank für die Führungen durch die besuchten Städte und die interessanten Ausführungen gelten den Kameradinnen und Kameraden
Melanie Engler, Leiterin der Gedenkstätte Lichtenburg in Prettin Gerhard Hoffmann, LAG-Mitglied, Frankfurt/Oder
Edeltraud Mäser, Andreas Peter in Guben
Günther Mattern, Horst Beier, Elke Schubert in Forst
Außerdem bedanken wir uns für die finanzielle Unterstützung der diesjährigen Antifa- Bildungsreise bei: dem Verein der Bundestagsfraktion DIE LINKE e.V., der Alternative 54 e.V. der Thüringer Landtagsfraktion DIE LINKE und der Abgeordneten des Europäischen Parlaments Gabriele Zimmer.

J. Powollik
Basisgruppe des TVVdN-BdA SLF-RU, Mai 2018

Linke Bundestagsabgeordnete unterstützt Antifa-Bildungsreise

21. Mai 2018

Am 3.Mai übergab die Bundestagsabgeordnete der LINKEN Martina Renner an den geschäftsführenden Vorstand des TVVdN/BdA, der am 28.4. auf der Landesdelegiertenkonferenz gewählt wurde, einen Scheck zur Unterstützung des Projektes „Antifa-Bildungsreise 2018“.

Foto von links: Karin Schrappe, Josef Metze (Schatzmeister), Elke Pudszuhn (Vorsitzende), Martina Renner (MdB), Kati Engel (stellvertretende Vorsitzende)

Erklärung der Lagerarbeitsgemeinschaft Buchenwald-Dora e.V.

21. April 2018

Bedeutsame Bestandteile der faschistischen Ideologie sind Rassismus und Antisemitismus. Die NSDAP verstand im »Kampf gegen das Judentum« eine ihrer wichtigsten Aufgaben. Der Antisemitismus wurde mit aktuellen politischen, ökonomischen und kulturellen Problemen der Zeit verbunden und in den Rang existenzieller Notwendigkeit erhoben. Organisierte antijüdische Übergriffe und Boykottaktionen schürten Judenfeindlichkeit und Rassismus. In der Nacht vom 9. auf den 10. November 1938 brannten in Deutschland hunderte Synagogen. Eine hysterische Meute plünderte tausende jüdische Geschäfte. Etwa 30.000 jüdische Männer wurden verhaftet und unter unmenschlichen Bedingungen in die Konzentrationslager verschleppt.

Die Auswirkungen dieser Aktion im KZ Buchenwald vor achtzig Jahren waren Thema des von der Lagerarbeitsgemeinschaft Buchenwald-Dora durchgeführten IX. Treffens der Nachkommen, zu dem ehemalige Häftlinge, Antifaschistinnen, Antifaschisten und zahlreiche Gäste eingeladen waren.

Dreiundsiebzig Jahre nach der Befreiung vom deutschen Faschismus sehen wir mit Sorge das Aufleben von Antisemitismus, weit verbreiteten Rassismus und zunehmende Gewalt.
Diese Erscheinungen gehen einher mit massenhaft verbreiteter Gleichgültigkeit.

Von unserm Treffen mahnen wir mit dem am 19. April 1945 auch von jüdischen Überlebenden geleisteten Schwur von Buchenwald

»Die Vernichtung des Nazismus mit seinen Wurzeln ist unsere Losung. Der Aufbau einer neuen Welt des Friedens und der Freiheit ist unser Ziel.«

zu menschlich vernünftigem und politisch verantwortungsbewusstem Handeln.

Es gibt zu einer Welt des Friedens und der Freiheit, ohne Faschismus keine Alternative!

Aus diesem Grund rufen wir auch von diesem Platz hier alle politisch Verantwortlichen in der Welt auf, für die gegenwärtigen Konflikte, insbesondere in Syrien und im Nahen Osten, vernünftige Lösungen zu finden und nicht mit Waffengewalt zu handeln.

Buchenwald, am 15. April 2018

Treffen der Nachkommen in Buchenwald

21. April 2018

Anlässlich des 73. Jahrestages der Selbstbefreiung der Häftlinge des Konzentrationslagers Buchenwald fand auf Einladung der Lagerarbeitsgemeinschaft Buchenwald-Dora am 15. April 2018 das IX. Treffen der Nachkommen auf dem Ettersberg statt.
Mehr als hundert Gäste, Weimarer BürgerInnen, AntifaschistInnen und Interessierte nahmen bereits am Vortag an einer Gedenkveranstaltung teil. Im Rahmen des Projekts »1000 Buchen« vom Lebenshilfe-Werk Weimar/Apolda zur Erinnerung an die Todesmärsche aus dem KZ Buchenwald wurden auf Anregung der Lagerarbeitsgemeinschaft Buchenwald-Dora Bäume für die jüdischen Häftlinge und den politischen Häftling Hans Gerhard Lehmann gepflanzt. Die Söhne von Hans Gerhard Lehmann und der Dresdener Jugendverein »Roter Baum«, der Stadtverband DIE LINKE sowie die Dresdener VVN-BdA finanzierten die Baumpflanzung.
Das IX. Treffen der Nachkommen fand im Kinosaal der Gedenkstätte Buchenwald statt und widmete sich dem Thema »Der Judenpogrom vom November 1938 und die Hilfe des Lagerwiderstands für die Juden im KZ Buchenwald«. Historische Fakten, Fotos und Dokumente, mit einem Video eingespielt, stimmten die zahlreichen Gäste ein, unter ihnen die ehemaligen Häftlinge Naftali Fürst aus Israel und Andrei Iwanowitsch Moiseenko aus Weißrussland. Nach Grußworten vom Vorsitzende der Lagerarbeitsgemeinschaft, Günter Pappenheim (der aus gesundheitlichen Gründen nicht persönlich anwesend war), und dem Präsidenten des Internationalen Komitees Buchernwald-Dora und Kommandos, Dominique Durand, referierte der Historiker Dr. Harry Stein zum Thema, was mit großem Interesse aufgenommen wurde. Schüler aus Weimar und Jena lasen aus Zeitzeugenberichten. Mit starkem Beifall wurde von den TeilnehmerInnen des Treffens eine Erklärung verabschiedet. Das stille Gedenken am Block 22, dem so genannten Judenblock, beendete das diesjährige bundesweite Treffen der Nachkommen.
Schülergruppen aus Siegen und Dresden, Gruppen der VVN-BdA aus Berlin, Siegen, Essen, Thüringen, eine Gruppe von »Schweinfurt ist bunt« verbanden die Teilnahme am Treffen mit dem Besuch der Gedenkstätte. Der »Rote Stern Leipzig«/Sektion Radsport beendete in Buchenwald eine Radsportdemo, die am 14. April in Leipzig startete und über Zeitz, Eisenberg, Jena und Weimar führte.
Die Gedenkkundgebung des Internationalen Komitees Buchenwald-Dora und Kommandos und der Stiftung Gedenkstätten Buchenwald-Dora bildete den würdigen Abschluss des diesjährigen Gedenkens in Buchenwald. Der Thüringer Staatssekretär Malte Krückels versicherte, die »Landesregierung fühlt sich dem Schwur von Buchenwald verpflichtet: >Die Vernichtung des Nazismus mit seinen Wurzeln ist unsere Losung. Der Aufbau einer neuen Welt des Friedens und der Freiheit ist unser Ziel.<«

Gerhard Hoffmann

Gedenkworte der Landesvorsitzenden zur Gedenkveranstaltung am 7. April 2018 im Jonastal

15. April 2018

Liebe Teilnehmer des heutigen Gedenkens, anlässlich 73. Jahrestages der Befreiung der Häftlinge des Konzentrationslagers SIII,

Heute vor 73 Jahren befanden sich die Häftlinge der Lager aus Ohrdruf, Crawinkel und Espenfeld auf dem Marsch ins Hauptlager Buchenwald.
Viele von ihnen haben es nicht geschafft, wurden auf dem Marsch erschlagen, erschossen und liegen gelassen am Wegesrand.
Die entkräfteten, aber lebenden Häftlinge, erlebten am 11. April die Selbstbefreiung und leisteten am 19. April 1945 auf dem Appellplatz den Schwur der 21.000 Überlebenden, der seit einiger Zeit unerträglichen Angriffen ausgesetzt ist und der zugleich verfälscht und falsch interpretiert wird.

Jegliche Diskreditierung dieses Schwurs ist eine 21.000-fache Beleidigung der Überlebenden und zugleich eine Schändung der 56.000 Opfer von Buchenwald.
Die „Deklaration“ ist als Schwur von Buchenwald in die Geschichte eingegangen und sehr viele, die von den deutschen Faschisten in Gefängnissen, Zuchthäusern, KZ`s gemartert wurden, die Zwangsarbeit leisteten, die emigrieren mussten, die der Verfolgung ausgesetzt waren, die in Spanien oder in den alliierten Streitkräften gegen die Nazis gekämpft hatten, machten sich die Grundaussagen dieses Schwurs zu eigen und sie lebten dafür, dass er eines Tages Wirklichkeit werde.
Der Schwur von Buchenwald wurde zum Fanal des Neuanfangs und wirkte auf nachfolgende Generationen.

Die von hoher politischer Verantwortung getragene Aussage, dass der Kampf erst einzustellen sei, wenn „auch der letzte Schuldige vor den Richtern der Völkern steht“, dass „die Vernichtung des Nazismus mit seinen Wurzeln unsere Losung (ist)“ und der „Aufbau neuen Welt des Friedens und der Freiheit (…) unser Ziel“ ist so beschworen worden. Das befreite Aufatmen nach 12 bitteren Jahren Faschismus war alternativlos und es gibt bis heute nichts Vernünftigeres als eine Welt ohne Faschismus und Krieg.
Da weder der Faschismus vernichtet, noch der Frieden gesichert ist, besitzt der Schwur höchste Aktualität.
Deshalb haben die Überlebenden im April 2017 in Buchenwald ihr Vermächtnis in die Hände nachfolgender Generationen gegeben und sind überzeugt, dass das Richtige getan wird, um die Gedanken des Schwurs Wirklichkeit werden zu lassen.

Günter Pappenheim, Vizepräsident des IKBD und Vorsitzender der LAG Buchenwald sagt dazu:

Aus Erfahrung wissen wir, dass der zu gehende Weg steinig ist. Mit der Zuversicht, dass Vernunft sich durchsetzen wird, lohnt es sich, den Weg zu gehen.
Jene, die heute in bequemen Sesseln an hessischen Verfassungsschutzschreibtischen Steuergelder vergeuden und es unternehmen pseudowissenschaftlich zu begründen, dass der Schwur von Buchenwald die „kommunistische Faschismustheorie“ stütze und damit die Prinzipien der freiheitlich-demokratischen Grundordnung in Frage stellt, sei ins Stammbuch geschrieben: sie sind folgsame Schüler ihrer Lehrer geworden, jener, die uns einsperrten und folterten. Nach unserer Befreiung taten sie eine Zeit lang, als hätten sie von nichts gewusst. Nach dem sie sich unter den Schwingen des Bundesadlers sicher fühlten, bekleideten sie wieder ihre Ämter.
Da könnte man genügend Beispiele anführen.
Heute reiben sich manche die Augen über Anmaßungen der AfD in den Landesparlamenten und im Bundestag. Geflissentlich wird übersehen, dass die Führenden bereits in der CDU dienten. Gaulands Gaunerstück als Staatssekretär und Chef der hessischen Staatskanzlei ist doch nicht vergessen.

Wer mehr darüber wissen will, kann ja bei Wikipedia „Gauland“ nachschlagen.

Seit 1964 gibt es in der Bundesrepublik eine mit Steuergeldern finanzierte neofaschistische und – gerichtsnotorisch festgestellt – verfassungsfeindliche NPD, die zu verbieten und ihr die Legalität zu nehmen, politisch nicht gewollt ist.
Inzwischen sind funktionierende Ersatzorganisationen entstanden, wie die Identitären. Sie sind ungehindert die Fußtruppen der AfD geworden.
Eine gefährliche, zum Teil bewaffnete sogenannte Reichsbürgerbewegung wird seit Jahren geduldet.
Hass, Aufrufe zu Gewalt kursieren im Internet. Juden, vermeintliche Ausländer und andere zum Feindbild zu erklären, Muslime als „abstoßendes, hinterhältiges Menschenmaterial“, Migranten als „Ungeziefer“ zu bezeichnen, bleibt nahezu folgenlos.

Da hätte, meiner Meinung nach, der Verfassungsschutz sein Betätigungsfeld, und nicht in der Bespitzelung von Antifaschistinnen, Antifaschisten und FriedenskämpferInnen, wie im Falle von Silvia Gingold, die „verfassungsfeindliche“ Lesungen aus den Erinnerungen ihres Vaters Peter Gingold macht, und ihr damit unterstellt wird, wörtlich:
„… das sie und die VVN-BdA sich positiv auf den Schwur von Buchenwald bezögen. Wer sich aber auf den Schwur von Buchenwald beruft, lehne die „Freiheitlich-Demokratische Grundordnung“ ab.“
Wir fordern die Bundesregierung und die Landesregierungen und die für die Verfassungsschutzämter Zuständigen auf:

Nehmen Sie den Angriff auf das konstituierende Dokument für Frieden, Freiheit und Demokratie zurück! Hören Sie auf diejenigen zu bespitzeln, die – wie Silvia Gingold – dieses Dokument verteidigen und seine Verwirklichung zu ihrer ureigenen Sache machen.

Dazu zähle ich mich auch, da ich in Gesprächen mit jungen Leuten, bei Führungen in Buchenwald, bei Veranstaltungen usw. den Schwur verlese und darüber spreche, das habe ich von meinem Vater übernommen, der Buchenwald überlebt hat.

So sehe ich die Verbindung des Schwurs von Buchenwald und die Friedensbewegung, wie den Ostermarsch am vergangenen Samstag in Ordruf denn

… die Vernichtung des Nazismus mit seinen Wurzeln ist unsere Losung.
Der Aufbau einer neuen Welt des Friedens und der Freiheit ist unser Ziel.
Das sind wir unseren Kameraden, ihren Angehörigen schuldig.

Das ist unser gemeinsames Anliegen, unabhängig von politischen Ansichten, für eine Welt des Friedens zu kämpfen.

Wir vertreten den Gedanken einer europäischen Friedensordnung und wenden uns gegen jede Art von Nationalismus.

Für eine Welt des Friedens und der Freiheit getreu dem Schwur von Buchenwald!

Danke für eure Aufmerksamkeit.


Foto: Klaus-Ulrich Hubert


Foto: Klaus-Ulrich Hubert

Einladung zum 9. Treffen der Nachkommen & Gedenkveranstaltung des Internationalen Komitees Buchenwald-Dora und Kommandos

4. März 2018

Das Lebenshilfe-Werk Weimar-Apolda e.V. wird in Abstimmung mit der Lagerarbeitsgemeinschaft Buchenwald-Dora aus Anlass des 73. Jahrestages der Lagerbefreiung am 14. April 2018 um 16:00 Uhr im Bereich Weimar Kromsdorfer Straße 11 / Andersen Straße zur Erinnerung an die jüdischen Häftlinge und an Hans-Gerhard Lehmann jeweils einen Baum im Rahmen des Gedenkprojekts »1000 Buchen« pflanzen.

Am 15. April 2018 um 10:00 Uhr findet im Kinosaal der Gedenkstätte Buchenwald das 9. Treffen der Nachkommen statt, das an den Judenpogrom vom 9./10. November 1938 und die Hilfe des Lagerwiderstands für die Juden im KZ Buchenwald erinnern wird. Im Anschluss wird es ein stilles Gedenken am ehemaligen Block 22 geben.

Die Gedenkveranstaltung des Internationalen Komitees Buchenwald-Dora und Kommandos findet um 13.30 Uhr auf dem ehemaligen Appellplatz statt.
Um 15:00 Uhr wird es ein Gedenken am Mahnmal für die jüdische Opfer geben anschließend findet die Kranzniederlegung am Glockenturm statt.

26. Antifa-Bildungsreise des TVVdN/BdA vom 24.- 27. Mai 2018

4. März 2018

Die 26. Bildungsreise begibt sich auf die Spuren der letzten Häftlinge des KZ Sulza in das KZ Lichtenburg (Prettin) dann nach Buchenwald, besucht die Stadt Frankfurt/Oder mit antifaschistischer Stadtführung und einem Gedankenaustausch mit Vertretern der VVN, beschäftigt sich mit der Geschichte und Gegenwart der Europastadt Guben/Gubin und gedenkt der ermordeten Juden auf dem jüdischen Friedhof. Wir erholen uns bei einer Kahnfahrt im Spreewald und erkunden die Stadt Forst, in der wir übernachten werden.

Reiseverlauf:

Donnerstag, den 24. Mai 2018

7.00 Uhr Abfahrt in Suhl, Platz der Deutschen Einheit
8.00 Uhr Zusteigen in Erfurt, neben dem Hauptbahnhof
9.00 Uhr Zusteigen in Weimar, am Hauptbahnhof, Fahrt zur KZ-Gedenkstätte Lichtenburg, danach weiter zum Übernachtungsort Forst in der Lausitz zum „Hotel Rosenstadt“ in Forst

Freitag, den 25. Mai 2018

nach dem Frühstück, Abfahrt zu einem gemütlichen Tag im Spreewald, mit einer 5-stündigen Kahnfahrt zu einer Hofbrennerei und dem Besuch des DDR–Museums in Burg

Samstag, den 26. Mai 2018

Fahrt nach Frankfurt/Oder, antifaschistische Stadtführung mit dem Kameraden Gerhard Hoffmann (VVN und Mitglied der Lagerarbeitsgemeinschaft Buchenwald-Dora), Gedenken am OdF-Denkmal, danach Fahrt nach Guben und Gubin (Polen), einer Stadt, die seit 1991 die Bezeichnung „Europastadt“ trägt.

Sonntag, den 27. Mai 2018

nach dem Frühstück, Reisegepäck verstauen im Bus, in Forst einen Stadtbummel mit dem Besuch des Denkmals für die 80 erschossenen Deserteure im April 1945 machen und Rückfahrt zu den Einstiegsorten Weimar, Erfurt und Suhl.

Der Teilnehmerpreis im DZ mit Frühstück beträgt pro Person 250,- €
Der Teilnehmerpreis im EZ mit Frühstück beträgt pro Person 310,- €

Im Teilnehmerpreis sind 41,- € für die Kahnfahrt und 6,- € Eintritt für das DDR–Museum enthalten.

In Absprache mit dem Hotel wird morgens zum Frühstück ein Tellergericht zu 12,50 € pro Person zur Vorauswahl für den jeweiligen Abend angeboten.

Der Betrag ist in Vorkasse bis zum 30. April 2018 an die Reiseleiterin zu entrichten. Bei Interesse melden bei:

Elke Pudszuhn
Tel: 03682/ 43765
Handy: 015156985749
E-Mail: elke.pudszuhn@googlemail.com

Änderungen im Programm und Zeitablauf können sich kurzfristig während der Fahrt ergeben.

Hohe Ehrungen zum 90. Geburtstag von Kurt Pappenheim

4. Januar 2018

Wir dokumentieren einen Beitrag aus der Zeitschrift „Blitzlicht“, einen Informationsblatt der Partei Die Linke in Schmalkalden-Meiningen, über die Ehrung von Kurt Pappenheit als Ehrenbürger der Stadt Schmalkalden:

Hohe Ehrungen zum 90. Geburtstag unseres Genossen Kurt Pappenheim

Am 24. Juli dieses Jahres stand der 90. Geburtstag unseres verdienten Genossen bevor. Also haben wir langfristig im Stadtvorstand über eine mögliche Ehrung beraten. Die „Schmalkalder Rose“ hatte Genosse Pappenheim bereits 2015 erhalten, eine Auszeichnung, mit der jährlich 15 Schmalkalder für ihre besondere ehrenamtliche Tätigkeit gewürdigt werden. Das Vorschlagsrecht für eine höhere städtische Ehrung liegt bei den jeweiligen Stadtratsfraktionen. Gemeinsam mit Genossen Klaus-Dieter Kaiser, dem Vorsitzenden unserer Stadtratsfraktion, wurde von mir eine Begründung erarbeitet. Zu unserer großen Freude stimmte der Schmalkalder Stadtrat zu, Kurt Pappenheim die Ehrenmedaille Schmalkaldens zu verleihen.
So war denn am 24. Juli im Waldhotel Ehrental „großer Bahnhof“. Denn nicht nur Verwandte und Freunde waren zur Gratulation und zur Feier erschienen, sondern auch der Schmalkalder Bürgermeister Thomas Kaminski und einige Stadträte sowie der Landrat Peter Heimrich. Bürgermeister und Stadträte überreichten die Schmalkalder Ehrenmedaille, der Landrat ehrte den Jubilar im Auftrag des Ministerpräsidenten Bodo Ramelow mit dem Ehrenbrief des Landes Thüringen; der Vorschlag dafür kam von Kurts langjährigem Freund Roland Büttner aus Erfurt. Natürlich waren die Freude und die Überraschung des Geehrten über die beiden Auszeichnungen groß.
Hier Auszüge aus unserer Begründung für die Schmalkalder Würdigung:

Herr Pappenheim ist neben Herrn Dr. Werner Holland-Cunz der einzige noch lebende Schmalkalder Bürger, der die Gefangenschaft in einem nationalsozialistischen Zwangsarbeitslager überstanden hat. Als Sohn des sozialdemokratischen Landtagsabgeordneten Ludwig Pappenheim, der wegen seiner unbeugsamen antifaschistischen Haltung bereits im Januar 1934 im KZ ermordet wurde, war die Familie vielen Repressalien ausgesetzt, die letztlich in KZ-Haft für den Bruder Günter und Einweisung in ein Zwangsarbeitslager für Kurt Pappenheim endeten. Nach seiner Rückkehr begann Herr Pappenheim im Herbst 45 eine Lehre, wurde jedoch kurze Zeit später von zwei Freunden seines Vaters, u.a. dem Sozialdemokraten Karl Wißler, bewogen, sich als Neulehrer ausbilden zu lassen. Ab 1946 in Breitungen eingesetzt, begann er bereits damals, einerseits über das Schicksal seiner Familie, insbesondere des Vaters, vor Schülern zu sprechen als auch andererseits Kenntnisse über Verfolgung, Opfer und den Faschismus zu vermitteln. Das heißt, dass er bereits damals anfing, als Zeitzeuge zu wirken, wie in einem kürzlich erschienen Buch eines Breitungers dokumentarisch belegt wird.
Kurt Pappenheim war ab 1948 als stellvertretender und später als Schulleiter in Breitungen, danach im Rosa-Grund tätig; neben schulischen Aufgaben standen Organisation und Durchführung von Ferienlagern, Exkursionen, darunter auch naturkundlichen, auf der Tagesordnung sowie sonntägliche Gespräche mit Jugendlichen zu politischen, also auch antifaschistischen Themen. Als Mitglied der SED hat er sich in den 80er Jahren Forderungen widersetzt, sich von den sozialdemokratischen Positionen seines Vaters loszusagen. Als langjähriger Direktor der Johann-Gottfried-Seume-Schule wird Herr Pappenheim als strenger, vom Kollegium viel verlangender Dienstherr eingeschätzt, der gerecht war, immer die Schule und Kollegen vertreten und auch die Meinungen anderer akzeptiert hat. Ehemalige Schüler beurteilen ihn als „fair, ruhig, besonnen“.
Herr Pappenheim hat in all den Jahren als Zeitzeuge gewirkt, viele Gesprächsrunden mit Schülern in Schmalkalden, in der DDR und vor allem in Buchenwald geführt, „Treffen dreier Generationen“ organisiert (Schüler, Patenbrigaden, ehemalige Häftlinge, Arbeiterveteranen).
Als langjähriger Vorsitzender des Kulturbundes in Schmalkalden, dem viele Schmalkalder Intellektuelle angehörten, hat er sein Augenmerk u. a. auf die Heimatgeschichte gerichtet.
Nach der politischen Wende und im Ruhestand hat sich Herr Pappenheim intensiv der Gedenkkultur, der Vermittlung von Kenntnissen und Erkenntnissen, der Gewinnung von Gesprächspartnern, insbesondere am Gymnasium gewidmet (z.B. Kurt Goldstein und ehemalige jüdische Mitbürger, Angehörige und Nachfahren dieser Familien). Bisher betreute er 23 Projektarbeiten, führte selbst viele Gespräche mit Schülern, nicht nur in Schmalkalden, sondern z. B. auch in Eschwege (u.a. Vortrag vor 60 Schülern) sowie wiederholt in Buchenwald.
Er war immer bemüht, Schüler für die Teilnahme an Gedenkveranstaltungen zu gewinnen. So hat er 1996 die Erarbeitung des „Schülerprojektes 1926 – 1948“ angeregt. Im vergangenen Jahr übergab er dem Stadt- und Kreisarchiv große Teile seines eigenen Archivs und das gesamte, von seiner Mutter verwaltete Archiv seines Vaters.
Damit stehen der Stadt umfangreiche Materialien zur Geschichte der Juden in Schmalkalden, zur Geschichte der Naziverbrechen, zur Geschichte unserer Heimatstadt und zur nationalen und interrnationalen Geschichte zur Verfügung. Seit Jahren bemüht sich Herr Pappenheim um eine gemeinsame Gedenkkultur, in die Parteien, Kirchen, Vereine und insbesondere die Schulen einbezogen werden sollten.
Außerordentliche, über die Stadtgrenzen weit hinausreichende Verdienste hat sich Herr Pappenheim in der Entwicklung und Pflege der jüdischen Gedenkkultur erworben. 1999 erschien sein Buch „Die jüdische Gemeinde Schmalkalden und ihr Ende im Holocaust“. Gemeinsam mit dem Stadtarchiv und der Familie Simonsohn/ Chile gestaltete er die Ausstellung „Jüdische Familien in Schmalkalden“, beteiligte sich intensiv an der Ausstellung über seinen Vater und unterstützte die Herausgabe des Buches über ihn. Er hat großen Anteil daran, dass die Erinnerungstafel für die jüdische Synagoge angebracht und Stolpersteine in der Stadt verlegt wurden. In den 1990er Jahren kümmerte sich Herr Pappenheim um formelle Belange bei der Rückgabe und Entschädigung jüdischer Familien.
Besonders zu würdigen sind seine engen Beziehungen zu Familien ehemaliger Schmalkalder Juden, z. B. in Chile, den USA und Frankreich, von denen etliche jeweils am 9. November zu Gast waren und auch öffentlich zu den Gedenkveranstaltungen, im Rathaus und im Gymnasium aufgetreten sind. Er steht in regem Austausch mit diesen Menschen und ist bemüht, weitere Kontakte zu knüpfen. Es würdeder Ehre des Stadtrates und unsererStadt dienen, wenn Herr Kurt Pappenheim mit der Ernennung zum Ehrenbürger die seinem Wirken als Zeitzeuge gerechte Anerkennung erfährt.


Kurt Pappenheim (rechts) mit seinem Bruder Günter bei der Verlegung eines Stolpersteines für Vater Ludwig Pappenheim in Eschwege. (Foto: Elke Pudszuhn)

Pressemitteilung: Gedenken an Suhler Antifaschisten der „Friedberg-Widerstandsgruppe“

1. Januar 2018

Am 5. Januar 1945 wurden acht Antifaschisten der Widerstanssgruppe „Friedberg“
Adolf Anschütz, Rudolf Gerngroß, Friedrich Heinze, Ernst König, Emil Recknagel, Minna Recknagel, Karl Stade und Ewald Stübler im „20-Sekunden-Takt“ im Lichthof des Landesgerichtsgefängnisses Weimar hingerichtet.

Sie gehörten zu den über 200 Antifaschisten, die im Rahmen der beiden Massenverhaftungen des Reichssicherheitshauptamtes (RSHA) am 9. September 1943 und am 8. Juni 1944 in die Hände der Gestapo fielen, die in gewachsenen Widerstandsstrukturen der Betriebe und Wohnorte aktiv gewesen waren. Sie setzten ihren Widerstand auch unter den schwierigen Bedingungen der Haft in der Landesstrafanstalt Ichtershausen,weiteren Haftanstalten und im KZ fort.
In den nachfolgenden „Suhler Waffen- und Hochverratsprozessen“ des Volksgerichtshofes (VGH) und des Reichskriegsgerichts wurden 1944/Anfang 1945 Todesurteile gefällt, bzw. hohe Freiheitsstrafen verhängt. Die sogenannten Hochverratsprozesse und der generelle Hochverratsvorwurf gegen Frauen und Männer im Widerstand gegen das herrschene NS-Regime dienten der Diskriminierung und Kriminalisierung des berechtigten Widerstandes gegen eine Politik, die Deutschland in den Untergang eines Welt- und Weltanschauungakrieges führte und schlussendlich mehr als 50 Millionen Menschen den Tod brachte.

Am Freitag, den 5. Januar 2018 um 10.00 Uhr werden Angehörige,Freunde und Mitglieder der Basisgruppe Suhl/Südthüringen des Thüringer Verbandes der Verfolgten des Naziregimes/Bund der Antifaschsten am Gedenkstein an der Wendeschleife Friedbergsiedlung der Ermordeten gedenken, daran erinnern, dass Krieg und Terror immer Opfer zu beklagen hat – damals wie heute.

Elke Pudszuhn
Sprecherrat Basisgruppe Suhl/Südthüringen TVVdN/BdA

Thälmanngedenken am 18. August 2017

15. August 2017

Unter dem Motto „ERINNERN – GEDENKEN – MAHNEN“ steht die diesjährige Gedenkveranstaltung aus Anlass des 73. Jahrestages der Ermordung des Antifaschisten Ernst Thälmann. Sie findet am Freitag, dem 18. August 2017 um 17.00 Uhr im Hof des Krematoriums des ehemaligen KZ Buchenwald statt. Es handelt sich um eine gemeinsame Gedenkveranstaltung des Thüringer Verbandes der Verfolgten des Naziregimes/Bund der Antifaschisten und der Lagerarbeitsgemeinschaft Buchenwald-Dora.

Die Gedenkworte spricht Sandro Witt, Leiter der Landesvertretung DGB Thüringen und stellv. Vorsitzender des DGB Hessen-Thüringen.

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