Gedenken und Erinnern an die Hinrichtung Suhler Antifaschisten der Friedberg-Widerstandsgruppe vor 75 Jahren in Weimar

19. Dezember 2019

In den ersten Januartagen vor 75 Jahren wurden acht Mitglieder der Widerstandsgruppe „Friedberg“ im Landgerichtsgefängnis Weimar hingerichtet.

Adolf Anschütz, Emil Eckstein, Alfred Gerngroß, Rudolf Gerngroß, Friedrich Heinze, Ernst König, Emil Recknagel, Minna Recknagel, Karl Stade und Ewald Stübler wurden des Hochverrates angeklagt und zum Tode verurteilt.

Was war ihr „hochverräterisches Verbrechen“? Sie und weitere Antifaschisten organisierten den Widerstand in den Rüstungsbetrieben und erwiesen den ausländischen Zwangsarbeiterinnen und Zwangsarbeitern sowie den Kriegsgefangenen solidarische Hilfe.

Emil Eckstein und Alfred Gerngroß verstarben Ende 1944 an den Folgen grausamer Misshandlungen durch die Nazis in Gestapohaft.

Über die Hinrichtung von Mitgliedern des Suhler Widerstandes im Landgerichtsgefängnis Weimar berichtet der Oberstaatsanwalt in Weimar an den Generalstaatsanwalt in Jena in zynischer Weise:
„… bei 8 Männern und 1 Frau handelt es sich um die Suhler Hochverräter für den Volksgerichtshof. Es ist das erste Mal, dass hier 10 Hinrichtungen auf einmal erfolgen. Solche Massenexekutionen stellen erhebliche Ansprüche an die Wendigkeit und an die Nervenstärke aller beteiligten Beamten. Trotz hemmender äußerer Umstände (keine Heizung, kein Wasser) ist alles reibungslos in verhältnismäßig kurzer Zeit abgegangen…“
(Quellen zur Geschichte Thüringens: Die Geheime Staatspolizei im NS-Gau Thüringen 1933-1945, Seite 276)

Am Sonntag, den 5. Januar 2020 um 10.00 Uhr werden Angehörige, Mitglieder der Basisgruppe Suhl/Südthüringen des Thüringer Verbandes der Verfolgten des Naziregimes/Bund der Antifaschisten und Suhler Bürger an der Gedenkstätte an der Wendeschleife Alter Friedberg, der Ermordeten gedenken und darauf aufmerksam machen, dass in der heutigen Zeit neonazistische Gewalt bis Mord, die Missachtung menschlichen Lebens, immanenter Bestandteil einer faschistischen Ideologie ist.

Für den Sprecherrat der Basisgruppe
Elke Pudszuhn

Beiträge zum Thälmann-Gedenken 2019

10. September 2019

Nach unserer Veranstaltung zum Gedenken an die Ermordung Ernst Thälmanns durch die Faschisten vor 75 Jahren dokumentieren wir hier die Beiträge von Günter Pappenheim, Ulla Jelpke und Ulrich Schneider.

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Ernst Thälmann-Gedenken 2019

11. Juli 2019

Zur Erinnerung an den 75. Jahrestag der Ermordung Ernst Thälmanns findet am Sonntag, den 18. August 2019, in Buchenwald/Weimar um 14.30 Uhr im Hof des ehemaligen Krematoriums des KZ Buchenwald eine Gedenkveranstaltung statt. Die Gedenkworte sprechen die Bundestagsabgeordnete Ulla Jelpke und der FIR Generalsekretär, Dr. Ulrich Schneider.

Es laden dazu ein: der Thüringer Verband der Verfolgten des Naziregimes/Bund der Antifaschisten und die Lagerarbeitsgemeinschaft Buchenwald-Dora.

Gedenkworte zum Jahrestag der Befreiung des Konzentrationslagers SIII im Jonastal

9. April 2019

Am 6. April 2019 fand das jährliche Gedenken anlässlich der Befreiung der Häftlinge des Konzentrationslagers SIII vor 74 Jahren im Jonastal statt. Unsere Vorsitzende Elke Pudszuhn sprach dort die folgenden Gedenkworte.

Liebe Teilnehmer des heutigen Gedenkens, anlässlich 74. Jahrestages der Befreiung der Häftlinge des Konzentrationslagers SIII

Heute vor 74 Jahren befanden sich die Häftlinge der Lager aus Ohrdruf, Crawinkel und Espenfeld auf dem Marsch ins Hauptlager Buchenwald.
Viele von ihnen haben es nicht geschafft, wurden auf dem Marsch erschlagen, erschossen und liegengelassen am Wegesrand.
Die entkräfteten, aber lebenden Häftlinge, erlebten am 11. April die Selbstbefreiung und leisteten am 19. April 1945 auf dem Appellplatz den Schwur der 21.000 Überlebenden.
Im Schwur heißt es:
Wir Buchenwalder Sowjetbürger, Franzosen, Polen, Tschechen, Slowaken, Deutsche, Spanier, Italiener, Österreicher, Belgier, Holländer, Engländer, Luxemburger, Rumänen, Jugoslawen und Ungarn kämpften gemeinsam gegen die SS, gegen die nazistischen Verbrecher, für unsere eigene Befreiung. Uns beseelt eine Idee: unsere Sache ist gerecht – der Sieg muss unser sein….“

Von den anwesenden Häftlingen aus über 30 Nationen, wurde der Schwur hinausgetragen in die Herkunftsländer und hat nichts an seiner Bedeutung in den vergangenen 74 Jahren verloren.

Warum erinnere ich an den Schwur? Weil ich meine, dass er nichts an Aktualität verloren hat und heute in Vorbereitung auf die Wahlen zum Europäischen Parlament im Mai 2019 für die Internationale Förderation der Widerstandskämpfer – Bund der Antifaschisten, ihre Mitgliedsverbände in fast allen europäischen Ländern und Israel sowie für die Veteranen des antifaschistischen Kampfes und für die Antifaschisten heutiger Generationen von großer Bedeutung ist.

In den letzten Jahren mussten wir oft schmerzlich erleben, dass gegenwärtige Politik und Entwicklung der EU nicht den Interessen großer Teile der Menschen in den europäischen Ländern entspricht. Insbesondere die Reaktion auf die Flüchtlingssituation haben die soziale Spaltung in Europa vertieft.
Zahlreiche Entscheidungen führen zu massiver sozialer Ausgrenzung und Abbau von Rechten der Beschäftigten, gehen zu Lasten der Schwächsten der jeweiligen Länder.
Zeitgleich wird die Abschottung der „Festung Europa“ massiv verstärkt und der Aufbau einer europäischen Militärmacht für internationale Einsätze vorangetrieben.

Dagegen müssen auch im Europäischen Parlament die Stimmen gestärkt werden, die sich für eine demokratische, friedensorientierte, solidarische und sozial gerechtere Entwicklung Europas einsetzen.
Außerdem erleben wir in zahlreichen europäischen Ländern einen deutlichen Vormarsch offen rassistischer, nationalistischer und extrem rechter Parteien und Gruppen. Sie sind nicht nur in nationalen Parlamenten stark vertreten, sondern mittlerweile in mehreren Staaten an der Regierung beteiligt und setzen dort ihre antidemokratische und rassistische Politik in Regierungshandeln um.

Ich werbe für keine Partei, sondern für das gemeinsame Eintreten für ein Europa, das jeder Form der rassistischen Diskriminierung oder der Fremdenfeindlichkeit entgegentritt;
das sich für Flüchtlinge und Minderheiten einsetzt und allen eine menschenwürdige Behandlung garantiert; das sich gegen jegliche Form von Holocaustleugnung, Verfälschung des Widerstandskampfes, Zerstörung von Gedenkorten, Geschichtsrevisionismus und Rehabilitierung von SS-Verbrechern einsetzt; das für eine Friedenspolitik eintritt, nicht auf hegemonialer Dominanz in der Außenpolitik, sondern auf nichtmilitärischer Konfliktlösung beruht.

Ein solches Europa ist möglich, wenn sich die Völker aktiv und vernehmbar für ihre Interessen einsetzen.
Dazu zähle ich mich auch, da ich in Gesprächen mit jungen Leuten, bei Führungen in Buchenwald, bei Veranstaltungen usw. den Schwur verlese und darüber spreche. Das habe ich von meinem Vater übernommen, der Buchenwald überlebt hat.

So sehe ich die Verbindung des Schwurs von Buchenwald und die Friedensbewegung.
… die Vernichtung des Nazismus mit seinen Wurzeln ist unsere Losung. Der Aufbau einer neuen Welt des Friedens und der Freiheit ist unser Ziel. Das sind wir unseren Kameraden, ihren Angehörigen schuldig.

Das ist unser gemeinsames Anliegen, unabhängig von politischen Ansichten, für eine Welt des Friedens zu kämpfen.

Wir vertreten den Gedanken einer europäischen Friedensordnung und wenden uns gegen jede Art von Nationalismus.

Für eine Welt des Friedens und der Freiheit getreu dem Schwur von Buchenwald!
Deine Stimme gegen AfD und NPD – Solidarität statt Nationalismus!

Danke für ihre Aufmerksamkeit!

(Fotos: Jürgen Powollik)

Veranstaltungen zum 74. Jahrestag der Befreiung des KZ Buchenwald

10. März 2019

Das Lebenshilfe-Werk Weimar-Apolda e.V. wird in Abstimmung mit der Lagerarbeitsgemeinschaft Buchenwald-Dora aus Anlass des 74. Jahrestages der Lagerbefreiung am Sonnabend, dem 13. April 2019 um 16:00 Uhr auf dem Werkgelände der Weimar Werk GmbH, Weimar, Kromsdorfer Straße zur Erinnerung an Häftlinge des KZ Buchenwald Bäume im Rahmen des Gedenkprojekts »1000 Buchen« pflanzen.

Am Sonntag, dem 14. April 2019 um 10:00 Uhr findet im Kinosaal der Gedenkstätte Buchenwald das 10. Treffen der Nachkommen statt, das sich dem Thema DAS KZ BUCHENWALD NACH DEM BEGINN DES KRIEGES AM 1. SEPTEMBER 1939 zuwenden wird.

Referent: Professor Dr. Manfred Weißbecker, Jena
Erinnern an den Kampf gegen Faschismus und Krieg – unentbehrlich für die Auseinandersetzung mit Nationalismus und Rassismus

Im Anschluss wird es ein stilles Gedenken am Ort des Sonderlagers auf dem ehemaligen Appellplatz geben. Wir laden Sie herzlich ein, gemeinsam mit Angehörigen, Freunden, Bekannten an unserer Veranstaltung und der anschließenden Ehrung teilzunehmen und würden uns freuen, Sie begrüßen zu dürfen.

Die Gedenkveranstaltung des Internationalen Komitees Buchenwald-Dora und Kommandos beginnt um 13:30 Uhr auf dem ehemaligen Appellplatz. Anschließend findet die Kranzniederlegung am Glockenturm statt.

Günter Pappenheim
Vorsitzender der Lagerarbeitsgemeinschaft Buchenwald-Dora
Erster Vizepräsident des Internationalen Komitees Buchenwald-Dora und Kommandos

Gedenkveranstaltung zum 99. Jahrestag der Niederschlagung des Kapp-Putsches in Zella-Mehlis

10. März 2019

In Erinnerung an die im Kampf für die Erhaltung der jungen Demokratie gegen die im Kapp-Putsch 1920 gefallenen Märzkämpfer aus Zella-Mehlis findet am Sonntag, dem 17. März 2019 um 10.00 Uhr auf dem ehemaligen Mehliser Friedhof eine Gedenkveranstaltung statt, zu der die Ortsgruppen Die Linke und der SPD gemeinsam einladen.

Anschließend um 11.00 Uhr spricht Heinrich Jung, Historiker, in der Bürgerhausscheune zum Thema: Aktionseinheit der Arbeiter erkämpft die Erhaltung der Demokratie.

Das Stadtmuseum zeigt Ausschnitte aus dem Wandtafelfries „Arbeiterbewegung in Zella–Mehlis“ von Franz Reiß.

Zu diesen Veranstaltungen sind Bürgerinnen und Bürger sowie die Stadträte herzlich eingeladen.

Ausstellung „Antifaschistischer Widerstand in Europa 1922 – 1945“ ab 22. Januar 2019 im Thüringer Landtag

13. Januar 2019

Am Dienstag, den 22. Januar 2019 um 16 Uhr, eröffnet die Präsidentin des Thüringer Landtags Birgit Diezel eine Ausstellung des nationalen belgischen Instituts der Veteranen und Opfer des Krieges und der Internationalen Föderation der Widerstandskämpfer – Bund der Antifaschisten zum Thema „Antifaschistischer Widerstand in Europa 1922 – 1945“.

Die Ausstellungseröffnung findet im Zwischengang des Funktionsgebäudes des Thüringer Landtags statt. Im Anschluss erfolgt ein gemeinsamer Rundgang durch die Ausstellung.

Es sprechen:
Birgit Diezel
Präsidentin des Thüringer Landtags

Einführung:
Dr. Ulrich Schneider
Sprecher der VVN-BdA in Deutschland und Ge- neralsekretär der Internationalen Föderation der Widerstandskämpfer – Bund der Antifaschisten Kurator der Ausstellung

Musik:
Berndt Klinke
Saxophon

Gezeigt wird eine Ausstellung über den antifaschistischen Widerstand in verschiedenen Ländern Europas. Beteiligt an der Ausstellung waren das nationale belgische Institut der Veteranen und Opfer des Krieges (IV-INIG) und die Internationale Föderation der Widerstandskämpfer (FIR) – Bund der Antifaschisten. Unterstützung leisteten das nationale Widerstandsmuseum (Belgien), ONAC (Frankreich), ANPI (Italien), NIOD (Niederlande), das Nationalarchiv des Großherzogtums Luxemburg sowie Veteranenverbänden aus verschiedenen Ländern. Die Ausstellung in deutscher, französischer und englischer Sprache wurde im Sommer 2013 erstmals im Europäischen Parlament in Brüssel gezeigt.
Die Ausstellung stellt auf 50 Tafeln dar, wie Männer und Frauen aus den damaligen europäischen Ländern Widerstand geleistet haben und welche unterschiedlichen Ausprägungen ihre Aktionen in den einzelnen Ländern hatten. Die Ausstellung lebt durch eindrucksvolle Bilder und reproduzierte Dokumente, die die knappen erläuternden Texte unterstreichen. Dabei wurden besonders solche Bilder gewählt, die Breite und Tiefe des Widerstands darstellen, nationale Besonderheiten des Kampfes und allgemeine Tendenzen zum Ausdruck bringen. Die Ausstellung erhebt keinen Anspruch auf Vollständigkeit, sie zeigt aber, dass der Widerstandskampf in allen europäischen Ländern in unterschiedlicher Form und unter Berücksichtigung der nationalen Spezifika stattfand. Sie wurde mittlerweile in zehn europäischen Ländern und in zahlreichen deutschen Städten gezeigt.

Ausstellung vom 22. Januar bis 22. Februar 2019 im Thüringer Landtag | Jürgen-Fuchs-Straße 1 | 99096 Erfurt | Montag bis Freitag | 8 – 18 Uhr (außer an Plenartagen) | Am Wochenende nach Vereinbarung. | Kontakt: Frau Erlekampf, Tel.: 036137 72005

Dem Schwur von Buchenwald verpflichtet – Nachruf für Ottomar Rothmann ( * 06.12.1921 – † 14.12.2018)

30. Dezember 2018

Ottomar Rothmann

Am 14. Dezember 2018 verstarb hochbetagt unser langjähriger Kamerad Ottomar Rothmann. Schon als Kind erfuhr er was Armut bedeutet, er musste als Laufbursche zum Familienunterhalt beitragen. Statt seines Traumberufes –Autoschlosser- musste er aus prekären Erwägungen heraus einen kaufmännischen Beruf erlernen. In seiner Familie wurden die gesellschaftlichen Verhältnisse anders beurteilt als in den damals propagierten Sichtweisen und so war für ihn tätige Solidarität gegenüber Juden und Zwangsarbeitern selbstverständlich. Als zwei seiner Brüder wegen kommunistischer Umtriebe angeklagt und eingesperrt wurden, steigerte das nur seinen Hass auf die Nazis und er fertige Handzettel gegen das verbrecherische Hitlerregime an. Am 30. Januar 1943 in Magdeburg verhaftet, kam er nach Verhören, die nicht seine Schuld bewiesen, allein auf Grund seiner familiären und rassischen Herkunft als 21-Jähriger in das Konzentrationslager Buchenwald. Im Block 17 kam er unter die Obhut des Blockältesten Otto Storch, der ihn in seiner Auffassung gegenüber dem Naziregime nur bestärkte. Durch seine klare Haltung und Zuverlässigkeit erwarb er sich das Vertrauen seiner Mithäftlinge so dass ihn das Illegale Lagerkomitee in den Rettungsplan für gefährdete Lagerfunktionäre einbezog. Gemeinsam mit etwa 21.000 Überlebenden leistete er am 19. April 1945 den Schwur von Buchenwald, der zur Maxime seines Lebens werden sollte. Getreu dem Schwur von Buchenwald: „Die Vernichtung des Nazismus mit seinen Wurzeln ist unsere Losung. Der Aufbau einer neuen Welt des Friedens und der Freiheit ist unser Ziel“ stellte er sich verschiedenen Aufgaben: so ab Juli 1945 dem Aufbau einer neuen Polizeibehörde in der Stadt Weimar, die frei von Nazis die neu entstehende antifaschistisch-demokratische Ordnung zu schützen vermochte oder so ab 1. Oktober 1946 als persönlicher Referent von Ministerialdirektor Dr. Wiese im thüringischen Ministerium für Land- und Forstwirtschaft, so als Direktor der Deutschen Handelszentrale in Erfurt und ab September 1960 als Vorstandsmitglied des Konsumbezirksverbandes Erfurt. Ab 15. November 1974 nahm der ehemalige Buchenwaldhäftling als Leiter der pädagogischen Abteilung und stellvertretender Direktor der Nationalen Mahn- und Gedenkstätte auf dem Ettersberg seine Tätigkeit auf. Gemeinsam mit dem Antifaschisten Rolf Barthel entwickelte er eine neue antifaschistische Gedenkkultur, die noch heute in ihren Grundprinzipien praktiziert wird. Menschen aus dem In- und Ausland vermittelte er eindrucksvoll die Grausamkeiten des Lageralltags und das menschenverachtende System des Nationalsozialismus.
Auch weit über das Pensionsalter hinaus war er insbesondere für Jugendliche ein kompetenter und interessanter Zeitzeuge und Gesprächspartner. Kamerad Ottomar Rothmann hat als Gründungsmitglied der VVN 1945 als auch des Interessenverbandes VdN 1990, wie auch als langjähriger Vorsitzender der Sozialkommission des Landesvorstandes des TVVdN–BdA bleibende Verdienste um unseren Verband erworben. Die Stadt Weimar hat Ottomar Rothmann als einen Vertreter des deutschen Widerstandes gegen den Nationalsozialismus zum Ehrenbürger erklärt. Wir verneigen uns tief vor seiner Lebensleistung und werden ihm ein ehrendes Andenken bewahren.

Thüringer Verband der Verfolgten des Naziregimes – Bund der Antifaschisten
Landesvorstand und Basisgruppe Weimar-Apolda

Die „Thüringer Rose“ für Elke Pudszuhn

20. November 2018

Der Freistaat Thüringen ehrt heute auf der Wartburg in Eisenach ehrenamtlich Tätige mit der „Thüringer Rose“ für ihr herausragendes Engagement. Unter ihnen ist auch unsere Genossin Elke Pudszuhn.

Thüringer Rose für Elke Pudszuhn

Elke Pudszuhn gehörte 1990 zu den Gründungsmitgliedern des Thüringer Verbandes der Verfolgten des Naziregimes/Bund der AntifaschistInnen (VdN/BdA e.V.) und ist seitdem in leitenden Funktionen, seit 2010 als Landes-Vorsitzende, tätig. Als Tochter der von den Nationalsozialisten verfolgten Widerstandskämpfern, Hans und Else Raßmann hat Elke ihr Leben dem Kampf gegen Diktatur und Willkür gewidmet.

Sie half und hilft Betroffenen mit ihren Erinnerungen, gesundheitlichen Schäden und familiären Belastungen umzugehen. So leistet Sie eine wichtige soziale Betreuungsarbeit für die noch lebenden antifaschistischen Widerstandskämpfer und Verfolgten des Naziregimes und deren Hinterbliebenen.

Sie hat viel Zeit investiert, um Schicksale einstmals Verfolgter öffentlich zu machen. Deshalb ist sie auch viel an Schulen unterwegs, um mit Schülerinnen und Schülern zum Thema Widerstand und Verfolgung zu sprechen und somit einen wichtigen Teil beizutragen, Geschichte aufzuarbeiten.

Darüber hinaus ist Elke Pudszuhn seit vielen Jahren aktives Mitglied der Lagerarbeitsgemeinschaft Buchenwald-Dora. Viele der zahlreichen Veranstaltungen dort bereitete sie mit vor und unterstützte das Internationale Lagerkomitee bei deren Durchführung. Regelmäßig führt sie zudem meist junge Besuchergruppen, durch das ehemalige Konzentrationslager und leistet dabei mit ihrem umfangreichen Wissen über die damaligen Geschehnisse eine erfolgreiche Aufklärungsarbeit.

Elke ist aktiv gesellschaftlich tätig. Sie hat für die damalige PDS und dann DIE LINKE viele Jahre in ihrer Heimatstadt Zella-Mehlis im Stadtrat, aber auch als Kreistagsmitglied im Landkreis Schmalkalden-Meiningen mitgearbeitet. Von Beginn an hat Elke das Archiv der PDS katalogisiert und damit einen wichtigen Beitrag zur Sicherung von Unterlagen geleistet.

Im Hotel Am Wald in Elgersburg, dem ehemaligen MOPR- Heim hat Elke die historischen Dokumente gesichert, und eine Dauerausstellung zu Geschichte des Hauses als Kinderheim der „Roten Hilfe“ erarbeitet.

Bis heute ist sie Vorsitzende einer Basisgruppe unserer Partei, sie ist Mitglied im Bündnis für Toleranz, Demokratie und gegen Rechtsextremismus Suhl/Zella-Mehlis und überall dort zur Stelle, wo Menschen sich dem Rechtsruck entgegenstellen.

Zur Auszeichnung gratulieren wir Elke Pudszuhn ganz herzlich, bedanken uns bei ihr für das große Engagement und wünschen alles Gute, vor allem Gesundheit für die Zukunft.

Quelle: Die Linke Thüringen

Nachruf von Die Linke für Kurt Pappenheim

24. September 2018

Wir dokumentieren der Nachruf von Die Linke Schmalkalden-Meiningen zum Tod vom Kurt Pappenheim.

Mit Trauer und Betroffenheit hat DIE LINKE. Thüringen heute die Nachricht zur Kenntnis nehmen müssen, dass Kurt Pappenheim aus Schmalkalden verstorben ist. Im Juli hat er seinen 91. Geburtstag noch im Kreise seiner Familie mit langjährigen Freunden und Genossen feiern können.

Pappenheim arbeitete bis 2014 im Thüringer Landesvorstand des VVN BdA (Thüringer Vereinigung der Verfolgten des Naziregimes / Bund der AntifaschistInnen) mit, deren langjähriger Vorsitzender er auch war. Im vergangenen Jahr, anlässlich seines 90. Geburtstages, wurde er für sein jahrzehntelanges ehrenamtliches Engagement mit der „Schmalkaldener Rose“ und dem Ehrenbrief des Landes Thüringen, unterzeichnet vom Ministerpräsidenten Bodo Ramelow, geehrt.

Kurt Pappenheim hat die Gefangenschaft in einem nationalsozialistischen Zwangsarbeitslager überstanden. Nach seiner Rückkehr begann er zunächst eine Lehre, die er zugunsten seiner Ausbildung als Neulehrer schnell wieder beendete. Ab 1948 war er als stellvertretender und später als Schulleiter in Breitungen tätig, anschließend in der Rosa-Grund-Schule in Schmalkalden.

Pappenheim ist Vielen durch sein Wirken als Zeitzeuge der NS-Zeit bekannt. Nach der politischen Wende und im Ruhestand hat er sich intensiv in der Gedenkkultur engagiert und seine Erkenntnisse vielen Menschen zugänglich gemacht. 1999 erschien sein Buch „Die jüdische Gemeinde Schmalkalden und ihr Ende im Holocaust“. Er hat Ausstellungen vorbereitet, Gesprächsrunden organisiert, wach gerüttelt und erinnert. Kurt Pappenheim hat großen Anteil daran, dass die Erinnerungstafel für die jüdische Synagoge in Schmalkalden angebracht und Stolpersteine in der Stadt verlegt wurden. In den 1990er Jahren kümmerte er sich um formelle Belange bei der Rückgabe und Entschädigung jüdischer Familien.

Kurt Pappenheim lebte den Schwur von Buchenwald. „Wir stellen den Kampf erst ein, wenn auch der letzte Schuldige vor den Richtern der Völker steht. Die Vernichtung des Nazismus mit seinen Wurzeln ist unsere Losung. Der Aufbau einer neuen Welt des Friedens und der Freiheit ist unser Ziel. Das sind wir unseren gemordeten Kameraden und ihren Angehörigen schuldig.“

Pappenheim war seit über 70 Jahren Parteimitglied. Bis zuletzt war er aktiv in den Arbeitsgemeinschaften „Antifaschismus“ und „Senioren“ der Partei DIE LINKE.

Wir sind in Gedanken bei seiner Familie in den schweren Stunden des Abschieds. Wir verneigen uns vor der Lebensleistung von Kurt Pappenheim, die uns in Erinnerung bleiben und Ansporn für das politische Agieren sein wird.

 

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