Vor 77 Jahren, am 5. April 1945, ist für die Menschen der Städte Suhl und Zella-Mehlis der Krieg zu Ende. Die amerikanischen Truppen unter General Patton sind auf dem Vormarsch nach Weimar. Die Häftlinge des KZ Buchenwald setzen einen Funkspruch ab: „SOS, die SS will uns liquidieren“ und die Amerikaner funken zurück: “Aushalten, wir kommen.“
Doch bis Weimar den Amerikanern kampflos in die Hände fällt, wütet die Gestapo, SS und Kriegsmaschinerie weiter.
In den Morgenstunden des 5. April 1945 werden 149 Männer und Frauen unter ihnen die Suhler Antifaschisten Guido Heym, Robert Gladitz und Erhard Schübel in das Webichter Wäldchen, gelegen zwischen Weimar und Tiefurt, gekarrt, erschossen und in einen Bombentrichter geworfen ohne nachzusehen, ob das Leben aus jedem Körper gewichen ist.
Anfang Juli 1945 werden die Opfer grausamster faschistischer Barbarei exhumiert. Die sterblichen Überreste werden auf den Friedhof in Weimar überführt und beigesetzt. Nur von 45 der 149 Ermordeten lassen sich Nachweise finden, wie sie hießen und wer sie waren.
Am Dienstag, den 5. April 2022 um 16.00 Uhr werden Angehörige, Mitglieder der Basisgruppe Suhl/Zella-Mehlis des Thüringer Verbandes der Verfolgten des Naziregimes/Bund der Antifaschisten und Suhler Bürger an der Gedenkstätte auf demHeinrichser Friedhof der Ermordeten gedenken, daran erinnern, dass Krieg und Terror immer Opfer zu beklagen hat .
Die Bundesinnenministerin Nancy Faeser (SPD) gehörte zu jenen Empfänger:innen, die Drohschreiben des „NSU 2.0“ erhalten haben. Darüber und über ihren Kampf gegen den Antifaschismus berichtete sie in der „Antifa“ im Juli letzten Jahres. Da nun die VVN-BdA laut bayrischen Verfassungsschutz als linksextremistisch beeinflusst aufgeführt wird, wird ihr vorgeworfen, in einem verfassungsfeindlichen Blatt publiziert zu haben. Zuerst schrieb die „Junge Freiheit“, ein Organ der Neuen Rechten darüber. Springers BILD-Zeitung titelte daraufhin, dass die Zeitschrift Antifa ein „Kampfblatt einer DKP Vorfeldorganisation“ sei. Faeser wird vorgeworfen, mit „Verfassungsfeinden auf Tuchfühlung“ zu gehen. Die AfD fordert sogar ihren Rücktritt und die CDU wirft ihr vor, „auf dem linken Auge blind zu sein“. Da fragen wir uns als Ortsgruppe mal wieder, was an antifaschistischer Gedenkarbeit und Bildungsarbeit verfassungsfeindlich ist? Ist es nicht wichtiger denn je, an die Gräueltaten des Nationalsozialismus zu erinnern und zu mahnen (siehe Impfgegner mit Davidsternen)? Wir nutzen hier die Gelegenheit, um auf unsere Arbeit in Jena aufmerksam zu machen: So gedachten wir am 15.01. am Heinrichsberg an Rosa Luxemburg und Karl Liebknecht, deren Schriften und Aussagen aktueller denn je sind, und legten dort rote Nelken nieder. Ebenfalls am Heinrichsberg gedachten wir am 27.01., am internationalen Holocaust Gedenktag, an die Opfer des Faschismus.
Weiterhin planen wir Vorträge über den Antijudaismus und das jüdische Leben in Jena und im Saale-Holzland am 14.03. und über die Gedenkstätte REIHMAG am Walpersberg am 13.06. Zu diesem Vortrag wird es auch eine Führung am 18.6. geben. Wir laden alle recht herzlich dazu ein, an diesen Veranstaltungen teilzunehmen.
Die Innenministerin Faeser möchte weiterhin „klare Kante gegen Rechtsextremismus“ zeigen. Wir können sie dazu nur bestärken und hoffen, dass sich auch andere im Kampf gegen den Faschismus nicht einschüchtern lassen. Gegen das Vergessen!
„Entfremdet und entwürdigt ist nicht nur der, der kein Brot hat, sondern auch der, der keinen Anteil an den großen Gütern der Welt hat.“
Rosa Luxemburg
Am 15. Januar 1919 – wenige Tage nach der blutigen Niederschlagung des Januaraufstands – verhafteten in Berlin Freikorpssoldaten die untergetauchten Führer:innen des Spartakusbundes, Rosa Luxemburg und Karl Liebknecht. Sie verschleppten die Beiden in ihr Hauptquartier und verhörten sie dort unter schweren Misshandlungen. Anschließend erschossen sie Liebknecht im Tiergarten mit drei Schüssen aus nächster Nähe. Luxemburg wurde ebenfalls von ihren Bewachern heimtückisch ermordet. Ihre Leiche entsorgten sie einfach im Landwehrkanal, wo sie erst Monate später gefunden wurde.
Die Morde an Karl Liebknecht und Rosa Luxemburg waren die ersten politischen Morde der jungen Weimarer Republik. Ihnen sollten bald weitere folgen.
Kamerad:innen in ganz Thüringen gedachten auch dieses Jahr der Ermordung von Rosa Luxemburg und Karl Liebknecht.
Am 5. Januar 1945 wurden acht Antifaschist:innen der Widerstanssgruppe „Friedberg“ im „20-Sekunden-Takt“ im Lichthof des Landesgerichtsgefängnisses Weimar hingerichtet. Am Mittwoch, den 5. Januar 2022 gedachten Angehörige, Freund:innen und Mitglieder des TVVdN/BdA am Gedenkstein an der Wendeschleife Friedbergsiedlung der Ermordeten. Für unseren Verband sprach Elke Pudszuhn die Gedenkworte:
Vor 77 Jahren, am 5. Januar 1945 wurden die Mitglieder der Suhler Widerstandsgruppe „Friedberg“ Adolf Anschütz, Rudolf Gerngroß, Friedrich Heinze, Ernst König, Emil und Minna Recknagel, Carl Stade und Ewald Stübler im Hof des Landesgerichtsgefängnisses zu Weimar hingerichtet.
In der offiziellen Mitteilung vom 8.1.45 des Oberstaatsanwaltes von Weimar an den Reichsjustizminister, betrifft: Hinrichtung des Adolf Anschütz, Ernst König,und Ewald Stübler heißt es: „Die Hinrichtung erfolgte am 5.1.1945, sie dauerte je 20 Sekunden“. In einem standesamtlichen Dokument wurde die infame Lüge festgehalten,das Adolf Anschütz an einem plötzlichen Herztod verstorben sei.
An die Tochter von Adolf Anschütz, Hedwig Epple, schreibt er vor seiner Hinrichtung am 5.1.45 u.a.: „Ich bin unschuldig verurteilt […] sterben ist Gewinn, Leben ist Kampf […] ich habe für euch Kinder gelebt und gehofft, ein besseres Los zu erreichen, ich hoffe zuversichtlich, dass ihr es einmal besser bekommt als dein Vater. Mein letzter Gruß, mein letzter Gedanke, bleibt stark und treu.“
Seine Frau Anna (geborene Günther) und Tochter Hilde (verheiratete Zieglebner), seine Schwägerin Emma Koburg waren unter den 150 Verhafteten der zweiten großen Vierhaftungswelle am 8. Juni 1944 in Suhl. Sein Sohn und zwei Schwiegersöhne waren „gefallen“, der Mann von Annas Schwester Luise Otto-Keiner (bis 1933 kommunistischer Bürgermeister in Benshausen) wurde am 22.9.44 in Buchenwald ermordet und ihr jüngster Bruder Alwin Günther „saß“ in der Schweiz im Gefängnis. Anna konnte aus dem Todestransport aus Ichtershausen fliehen und traf einige Tage nach der Befreiung Suhls durch amerikanische Truppen in Suhl ein und konnte drei ihrer Töchter Ella, Wanda, Hilde mit ihren 6 Kindern in die Arme schließen.
Die letzten Zeilen von Friedrich Heinze an seine Frau Margarete, seine Tochter Ursula und Sohn Bodo: „Wenn ihr diesen Brief erhaltet, bin ich nicht mehr am Leben […] zu meinem Geburtstag denkt halt an mich […] ich sterbe als Deutscher für mein Vaterland! Ihr braucht euch nicht zu schämen.“ Die Nachricht über die Vollstreckung des Urteils wird Margarete an die Heimatadresse geschickt,die sie gar nicht empfangen kann, da sie selbst noch im Frauengefängnis Leipzig-Kleinmeusdorf eingesperrt ist.
Im Abschiedsbrief von Minna und Emil Recknagel an ihre zwei Kinder steht: „Ihr braucht Euch nicht zu schämen, wir sterben unschuldig. Wir werden gerächt […] Wir sind die unzähligen Opfer des Faschismus“.
Das sind nur einige Zeugnisse von den 28 ermordeten Frauen und Männern aus Suhl und Umgebung, die im Widerstand gegen Faschismus und Krieg ihr Leben gegeben haben für eine bessere Welt. Sie hätten bestimmt alle den Schwur der Überlebenden von Buchenwald vom 19. April 1945 mit geleistet:
„Die Vernichtung des Nazismus mit seinen Wurzeln ist unsere Losung. Der Aufbau einer neuen Welt des Friedens und der Freiheit ist unser Ziel.“
Die Gedenkstätte wurde am 8. Mai 1977 eingeweiht. Das Ehrenmal, das sich noch heute auf dem Sonneberger Hauptfriedhof befindet, haben wir dem Bildhauer Erich Schramm aus Steinach zu verdanken. Erich Schramm wurde dafür am 6. Mai 1977 mit einer Ehrenurkunde des Zentralvorstandes der Gesellschaft für Deutsch-sowjetische Freundschaft geehrt. Er schuf für 104 Bürger der Sowjetunion eine würdige Grabstätte. Auf einem halbkreisförmigen Grabstein stehen ihre Namen. In die Listen reihen sich die Namen von 12 polnischen, einem tschechischen und einem jugoslawischen Bürger ein. Insgesamt sind in 45 Gräbern 118 Tote bestattet. In diesem Ehrenmal wurden Einzelgräber des Sonneberger Friedhofs und Gräber aus Friedhöfen des Kreises Sonneberg zusammengefasst.
Es waren Soldaten der Roten Armee und zivile Zwangsarbeiter, die hier in fremder Erde begraben liegen. Die menschenunwürdigen Arbeits- und Lebensbedingungen der Zwangsarbeiter, die in Sonneberger Rüstungsbetrieben und auch auf Bauernhöfen des Kreisgebietes schuften mussten, waren die Ursachen für das Sterben der zumeist jungen Menschen, die man seit dem Beginn des Zweiten Weltkrieges am 1. September 1939, aber vor allem seit Beginn des Überfalls auf die Sowjetunion, der sich am 22. Juni zum 80. Male jährt, aus ihren Heimatländern deportierte.
Der Sonneberger „Arbeitskreis antifaschistische Gedenkkultur“, zu dem Reiner Kotulla und ich gehören, organisierte am 8. Mai dieses Jahres, am Tag der Befreiung, an diesem Ehrenmal eine Gedenkveranstaltung, an welcher unter Beachtung der Corona-Hygieneregeln acht antifaschistisch gesinnte Bürger unseres Landkreises teilnahmen. Zum wiederholten Mal stellten wir fest, dass sich auf dem Grabstein eine flachgeschliffene Stelle gab, die den Schluss zuließ, dass sich hier ein Sowjetstern befunden haben könnte. Von den entsprechenden Behörden der Stadt und des Landkreises Sonneberg erhielten wir leider keinen Hinweis und auch kein Foto aus dem Jahre 1977 und danach, die das Vorhandensein des Sterns hätten dokumentieren können. Nur den Namen des Bildhauers, der das Ehrenmal geschaffen hatte, teilte man uns mit. Wir blieben auf dieser Spur – und wirklich, die Firma Schramm in Steinach existiert noch und wird vom Sohn des Erich Schramm, Otto Schramm, geleitet.
Das ursprüngliche Ehrenmal 1977
Otto Schramm suchte und fand Bilder und Texte, die sein Vater aufgehoben hatte und wirklich – auf dem Grabstein prangte ein Sowjetstern aus rotem Porphyr.
Höchstwahrscheinlich wurde er nach der sogenannten Wende abgeschlagen, denn bei der Sanierung des Grabmahls vor ungefähr 10 Jahren war kein Sowjetstern vorhanden. Nur die in Form eines Sterns geschnittene Hecke ließ den Schluss zu, dass es einen solchen Stern aus Stein gegeben haben konnte. Nun nahmen wir wieder Verbindung zum Amt für Denkmalschutz und zum Bürgermeister von Sonneberg auf. Der stellvertretende Bürgermeister Christian Dressel versicherte uns, die ganze Angelegenheit vor den Kulturausschuss zu bringen, so wie er das vor zwei Jahren mit der von uns beantragten Sanierung der Gedenkplatte für die Opfer des Faschismus gemacht hatte, welche sich ursprünglich auf dem Woolworth-Gelände in der Nähe des Rathauses befand und jetzt nahe der evangelischen Kirche Sonneberg in würdiger Form erinnert und mahnt.
Wir hoffen, dass das Ehrenmal in seine ursprüngliche Form zurückversetzt wird und möchten allen, die unseren Arbeitskreis „Antifaschistische Gedenkkultur“ bei seinem wichtigen Projekt „Wider das Vergessen – erinnern, mahnen und handeln“ unterstützten, an dieser Stelle danken.
Am Sonntag, den 12. Dezember, wäre der antifaschistische Widerstandskämpfer aus Bad Tabarz 131 Jahre geworden. Aus diesem Anlass trafen sich unsere Landesvorsitzende, Kati Engel, und unserer Landesschatzmeisterin, Chris Schütze, mit dem Bürgermeister von Bad Tabarz, David Ortmann, um gemeinsam Blumen an seinem Gedenkstein niederzulegen.
Als Lehrer wurde Neubauer 1921 für die KPD in den thüringischen Landtag gewählt. Ab Oktober 1923 gehörte er sogar als Staatsrat der damaligen SPD-KPD-Landesregierung Thüringens an. Seine Immunität wurde aber alsbald aufgehoben, da er gegen den Einmarsch der Reichswehr protestierte. So war Neubauer gezwungen ins Rheinland zu flüchten. Mitte 1924 leitete er dort als Chefredakteur die Düsseldorfer KPD-Zeitung „Freiheit“ und wurde im Dezember 1924 Mitglied des Reichstags. Bis zum März 1933 als er in den Untergrund wechselte. Dennoch wurde Neubauer am 3. August verhaftet. Nach schweren Misshandlungen im Zuchthaus Brandenburg wurde er in den Konzentrationslagern Lichtenburg und später Buchenwald gefangen gehalten. In beiden Konzentrationslagern gehörte er der Leitung der illegalen Lagerorganisation an. Nach seiner Haftentlassung im September 1939 zog Neubauer wieder nach Thüringen, nahm seinen Wohnsitz in Tabarz und baute dort ab 1941 zusammen mit Magnus Poser ein kommunistisches Widerstandsnetz auf. Am 14. Juli 1944 wurde Neubauer erneut verhaftet, am 8. Januar 1945 in Berlin vom Volksgerichtshof wegen „Vorbereitung zum Hochverrat und Feindbegünstigung“ zum Tode verurteilt und am 5. Februar 1945 im Zuchthaus Brandenburg-Görden enthauptet.
Der Verband der Verfolgten des Naziregimes – Bund der Antifaschisten wirft dem Weimarer Republik e.V., welcher am Wochenende das Thälmann-Denkmal auf dem Buchenwaldplatz durch Verhüllung in eine Kunstaktion verwandelte, mangelnde Empathie und Geschichtsklitterung vor.
Der Buchenwaldplatz ist zentral in der Stadt Weimar gelegen. Er ist den Menschen, welche im Konzentrationslager Buchenwald sowie in dessen Außenlagern und Kommandos ermordet wurden, gewidmet. Das gesamte Areal mit den angrenzenden Häusern sollte eine durch Kriegszerstörung entstandene Baulücke wieder schließen und die Erinnerung an die Opfer des Naziregimes in das Stadtzentrum holen. Zentrales Element des Platzes ist das Thälmann-Denkmal des Dresdener Bildhauers Walter Arnold, welches zur Ehrung des 1944 in Buchenwald ermordeten vormaligen Reichstagsabgeordneten und Vorsitzenden der KPD geschaffen wurde.
Mit der nun über das Wochenende andauernden Verhüllungs-Aktion des Denkmals solle eine Debatte über den künftigen Umgang mit dem Denkmal angestoßen werden, erklärte der Historiker Stephan Zänker für den Verein Weimarer Republik in einem Interview in der Zeit.
„Diese sogenannte Kunstaktion geht komplett an der Intension des Denkmals vorbei. Wir haben es hier eben nicht mit einer durchschnittlichen DDR-Skulptur zu tun. Es ist nicht möglich diese Thälmann-Statue, losgelöst von der Geschichte des Konzentrationslagers auf dem Ettersberg zu betrachten“, empört sich die Landesvorsitzende des TVVdN/BdA, Kati Engel. „Thälmann steht hier nicht für eine bestimmte politische Richtung oder Programmatik. Dieses Denkmal steht symbolhaft für die geschundenen und ermordeten Häftlinge sowie für den mutigen Widerstand dieser im KZ Buchenwald gegen ein menschenverachtendes System, welche nicht wenige mit ihrem Leben bezahlen mussten. Wer vor diesem geschichtlichen Hintergrund nun das Denkmal verhüllt, verhüllt auch das Andenken an die Opfer des NS-Regimes.“
„Was mich am meisten ärgert, ist die nicht hinzunehmende Geschichtsklitterung und der Schritt zur Bilderstürmerei des Herrn Zänker“, empört sich die stellvertretende Landesvorsitzende, Karin Schrappe. “So behauptet Herr Zänker gegenüber der Zeit (Und das als Historiker!), dass Ernst Thälmann „aktiv an der Zerstörung der Weimarer Republik“ mitgewirkt habe. Das ist eine bodenlose Frechheit und Geschichtsverfälschung. Nicht die KPD hat die Weimarer Republik verraten, sondern der Schulterschluss zwischen Sozialdemokraten, Konservativen und Faschisten. Spätestens mit der Wahl von Hindenburg!“
„Es ist auch einfach nicht wahr, dass dieser Platz „in Vergessenheit geraten“ ist und „von erinnerungskulturellen Initiativen aus der Mitte der Zivilgesellschaft“ unberührt bleibt. Allein wir als Landesverband waren dieses Jahr zweimal vor Ort, um darauf Kundgebungen abzuhalten“, erläutert Christiane Schütze, Mitglied im Geschäftsführenden Vorstand. „Dieser Platz mit seinem Thälmann-Denkmal hat eine Bedeutung, die weit über die Grenzen der Stadt hinausgeht. Er hat auch genug Freundinnen und Freunde, die sich dafür einsetzen, dass diese Bedeutung erhalten bleibt und nicht durch politische Vereinnahmung missbraucht wird.“
In der Nacht vom 9. auf den 10. November 1938 zerstören Mitglieder der NSDAP, Hitlerjugend, der SA und SS fast alle Synagogen in Deutschland, plündern und ermorden Jüdinnen und Juden.
Auch in Thüringen drangen sie in die hiesigen Synagogen ein, zerstörten Scheiben und Mobiliar, plünderten die Ritualgegenstände, um schließlich die verwüsteten Gebäude vollständig in Brand zusetzen. Doch antisemitische Tendenzen waren auch hier bereits Jahrzehnte zuvor spürbar: seien es kleinere Anschlägen auf Synagogen, zerschlagene Fenster oder Schmierereien .
SA-Männer drangen aber auch gewaltsam in jüdische Geschäfte und Wohnungen ein und zertrümmerten vielfach die Inneneinrichtung. Verhaftungen jüdischer Männer schlossen sich an. Man deportierte sie per Bus in das KZ Buchenwald. Obwohl das Konzentrationslager auf dem Eltersberg erst halbfertig und bereits überfüllt war, weist die Gestapo insgesamt 10.000 jüdische Männer nach dem Novemberpogrom in das Lager ein. Die SS pfercht sie in hastig errichtete Behelfsbaracken: das jüdische Sonderlager. In diesem abgesonderten Bereich führt die SS Verhältnisse herbei, die zahlreiche Todesopfer fordern. Durch den akuten Wassermangel bricht eine Typhusepidemie aus. Viele überleben das nicht.
Der Kommunist und Widerstandskämpfer wurde bekannt als „Arzt von Buchenwald“. Vielen Mithäftlingen hat er medizinisch geholfen, wofür ihm der Staat Israel im Jahr 2000 postum den Titel „Gerechter unter den Völkern“ verlieh.
Von Beruf Schlosser, eignete sich Krämer seine medizinische Kenntnisse im Selbststudium an, organisierte die Krankenversorgung und führte auch selbst Operationen durch. Er galt als ein sehr vorzüglicher Wundbehandler und Operateur.
Er weigerte sich, über sowjetische Kriegsgefangene das Todesurteil „Tbc-krank“ zu verhängen. Im Frühjahr 1940 erreichte er sogar die Schließung eines Sonderlagers für meist staatenlose Juden mit dem Hinweis auf Seuchengefahr für die SS und die umliegenden Dörfer. „500 kaum noch lebensfähige Skelette brachte diese Rettungsaktion ins große Lager.“
In den ersten Novembertagen 1941 wurde Krämer zusammen mit seinem Stellvertreter Karl Peix in das Außenlager Goslar überstellt. Beide wurden auf Anweisung des Lagerkommandanten Karl Otto Koch am Vormittag des 6. November von der SS „auf der Flucht erschossen“.