Erinnern heißt Kämpfen – Rede zum Tag der Opfer des Faschismus in Erfurt

20. September 2021

Liebe Antifaschistinnen und Antifaschisten, 

liebe Genossinnen und Genossen,

am heutigen Tag gedenken wir der antifaschistischen Widerstandskämpfer:innen und der Opfer des Faschismus. Für viele Mitglieder der VVN-BdA ist dies ein wichtiges Ereignis, das auch eng mit der Geschichte der eigenen Organisation verknüpft ist.

Als relativ junge Sozialistin, deren Aufwachsen in die Zeit der Berliner Republik fällt, habe ich wahrscheinlich einen etwas anderen Zugang zum Thema Gedenken an den Nationalsozialismus als ältere Anwesende dieser Veranstaltung. Familiäre oder freundschaftliche Begegnungen mit der Zeitzeug:innen-Generation spielten für mich schon kaum mehr eine Rolle, weder auf der Seite der Täter:innen noch der Opfer von Verfolgung und faschistischem Terror. Stattdessen waren es schriftlich festgehaltene biographische Erzählungen, Besuche in den modernen Gedenkstätten und Medienerzeugnisse, die dafür gesorgt haben, dass die Auseinandersetzung mit dem Nationalsozialismus für mich als Jugendliche immer mehr an Relevanz gewann. Mit all diesen Dingen habe ich mich außerdem – und das ebenfalls im Unterschied zu den Generationen vor mir – in einer Zeit auseinandergesetzt, in der das Gedenken an den Nationalsozialismus für die Bundesrepublik bereits zur Staatsräson gehörte. Den Nationalsozialismus zu thematisieren, war für meine Generation nie ein Tabu. Dass – vor allem in Westdeutschland – die Einrichtung von Gedenkorten und Zeichen der Erinnerung erst das Ergebnis einer harten gesellschaftlichen Auseinandersetzung war, war mir deshalb lange nicht bewusst. Dass das Gedenken in der DDR zwar von großer Bedeutung, aber durchaus auch nicht frei von problematischen politischen Implikationen war, selbstverständlich ebenfalls nicht. Für mich schien es einfach selbstverständlich, dass sich die Deutschen in Ost und West mit ihrer eigenen Vergangenheit auseinandersetzen und dass es stets positive Resonanz hervorrief, sich als junge Person ebenfalls mit diesem Teil der Geschichte zu beschäftigen. Erfahren konnte man dabei auf der Ebene der Fakten stets eine Menge. Vieles war bereits erforscht, Unterricht und Bildungsangebote zum Thema gab es zu Hauf. Um die höchst beunruhigende Frage jedoch, wie es denn hatte zum Zivilisationsbruch kommen können, ging es darin jedoch selten, was mich als Jugendliche lange frustriert und ratlos zurückließ.

Über die Jahre ist mein Einblick in die gesellschaftlichen Diskurse um das Gedenken an den Nationalsozialismus tiefer und differenzierter geworden. Für mich zeichnete sich dabei immer stärker ab, dass staatliche Gedenkpraxen und staatlich finanzierte Gedenkeinrichtungen, die ich als Jugendliche besucht hatte, sich zwar durchaus kritisch mit der nationalsozialistischen Vergangenheit auseinandersetzen, der Bezug zur Gegenwart dabei jedoch wenig beleuchtet wird. Das ist meiner Ansicht nach auch logisch, müsste doch aus einer radikal kritischen Auseinandersetzung mit dem Nationalsozialismus auch ein Uneinverständnis mit den heute vorherrschenden gesellschaftlichen Verhältnissen resultieren. Immerhin bildete den Nährboden des Faschismus in den 1920er und -30er Jahren die bürgerlich-demokratische Gesellschaft – eine Gesellschaft, die der heutigen in ihren Grundsätzen gleicht. Für mich wurde letzteres ein immer relevanterer Faktor, auch bei meiner Beschäftigung mit Geschichte. Die bloße Abgrenzung von „bösen Nazis“, wie sie allgemein oft vorgenommen wird, scheint mir deshalb viel zu kurz gegriffen. Überall wird meiner Ansicht nach heute deutlich, dass eine statt auf Solidarität auf Konkurrenz basierende Gesellschaft, in der Freiheit und Gleichheit hohle Phrasen sind, notwendigerweise menschenverachtende Ideologien hervorbringt, die von gewaltbereiten Neonazis in die Tat umgesetzt werden. Nazis morden immer wieder und sie tun dies auch in einer demokratisch verfassten Gesellschaft. Sitzt man also nicht dem unhaltbaren Irrglauben von psychisch kranken Einzeltätern auf, muss einem dieser Umstand mehr als über die Individuen auch etwas über die heutige Gesellschaft sagen, in der die Täter sozialisiert wurden. Wenn wir uns also heute mit dem Nationalsozialismus auseinandersetzen und seiner Opfer gedenken, kommt es meines Erachtens zuallererst darauf an, eine Verbindung in die Gegenwart herzustellen und uns zu fragen: Was hat der Nationalsozialismus mit uns heute zu tun? Der rechte Terror, der seine Opfer in Synagogen, Moscheen oder in Sommercamps sozialdemokratischer Jugendorganisationen findet, lässt die Antwort erahnen. Nationalsozialistische Ideologie hat sich kaum verändert und sie ist weiterhin präsent. Sie hat ihrer Ursachen nicht zuletzt in der Undurchschautheit gesellschaftlicher Verhältnisse. Auch wenn sie heute nicht das staatliche Handeln leitet, wie zwischen 1933 und 1945, existiert sie weiter und ihre Vertreter:innen nutzen jede Gelegenheit, sie in die Tat umzusetzen, die sich ihnen bietet. Ein bloß auf die Vergangenheit gerichteter Blick und eine Auseinandersetzung mit der NS-Geschichte, die diese Kontinuitäten nicht in den Blick nimmt und reflektiert, kann dagegen kaum ein Mittel sein, ist aber im Zeitalter der ritualisierten Gedenkveranstaltungen die gesellschaftliche Realität. Neonazis werden sich trotz der darin geäußerten Lippenbekenntnisse weiter radikalisieren und auf diejenigen losgehen, deren Leben sie für unwert halten. Und sie werden dies so lange tun, wie diese Gesellschaft in ihrer heutigen Form fortbesteht und Rassismus und Antisemitismus ihnen dazu dienen, sich zu erklären, was ihnen sonst unerklärlich erscheint. Insofern impliziert ein würdiges Gedenken an die Opfer des Nationalsozialismus für mich notwendigerweise einen kritischen Blick auf diese Gesellschaft, in der die Voraussetzungen für eine Wiederholung des Schreckens fortexistieren. Diese abzuschaffen, muss auch in Zukunft unser Ziel sein. Erinnern heißt Kämpfen.

Annika Neubert, VVN/BdA Erfurt

Tag der Opfer des Faschismus 2021

13. September 2021

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Auszug aus der Rede der Landesvorsitzenden, Kati Engel

Seit 1945 ist der zweite Sonntag im September der Tag, welcher der Ehre und dem Andenken der Opfer des Faschismus gewidmet ist. Er ist damit der älteste Gedenktag für die Opfer des Naziregimes.

Bereits in den ersten Wochen nach der Befreiung entstanden vielerorts Antifa-Ausschüsse, in denen die Verfolgten des Naziregimes soziale, aber auch medizinische Hilfe für die Überlebenden der Haftstätten und Konzentrationslager organisierten. Kurze Zeit später wurden dann sogenannte „Ausschüsse für die Opfer des Faschismus“ eingerichtet, welche direkt an die kommunalen Verwaltungen angegliedert waren.

Es waren ehemalige politische Häftlinge, welche die Initiative für die Einführung eines Gedenktages für die Opfer des Faschismus ergriffen. Am 3. August forderte der Berliner „Hauptausschuß Opfer des Faschismus“ dem Oberbürgermeister Dr. Arthur Werner in einem Brief dazu auf.

Auszug aus dem Brief an den Berliner Oberbürgermeister:

„In der Zeit von Ende August bis Anfang September jährt sich zum erstenmale der Tag der faschistischen Morde an Ernst Thälmann, Rudolf Breitscheid und den Kämpfern des 20. Juli. Der Hauptausschuss „Opfer des Faschismus“ empfiehlt, in dieser Zeit Gedenkfeiern für unsere toten Helden zu veranstalten. Sie sollen politisch demonstrieren:

Die internationale Verbundenheit aller europäischer Opfer des Faschismus.

Die kämpferische Solidarität und geschlossene Einheit aller antifaschistischen Kämpfer aus dem Lager und Zuchthaus, aller antifaschistischen Kräfte in den Parteien und Gewerkschaften für Wiederaufbau und Wiedergutmachung.

Es soll der unumstössliche Wille der überlebenden Antifaschisten zum verantwortlichen Einsatz ihrer Kräfte für Demokratie und Völkerverständigung zum Ausdruck kommen. Das ist das Vermächtnis unserer toten Helden. […] Diese Gedächtnisfeier grössten Ausmasses wird nicht nur ein ehrendes Gedenken der toten Helden sein. Sie ist darüber hinaus an alle Überlebende der KZ’s und Zuchthäuser gerichtet. Sie wird den deutschen Kämpfern und den antifaschistischen Helden ganz Europas gewidmet sein, sind doch Häftlinge aus allen Teilen Deutschlands und Europas in den Nazi-Lagern vereint geween und sind dort in gemeinschaftlicher Abwehr dem SS-Terror entgegengetreten. […]“

Der Berliner Magistrat nimmt sich dieses Anliegens an und ruft für den 9. September 1945 zum „Tag der Opfer des Faschismus“ auf. Zahlreiche weitere Städte – vor allem in Sachsen und Brandenburg – schließen sich diesem Aufruf an. Allein in Berlin bewegen sich am 9. September 1945 30 Demonstrationszüge durch die Stadt. Ihr Ziel ist das Neuköllner Stadion. Umrahmt von Fahnen der von Deutschland überfallenen Länder, erhebt sich in der Mitte des Platzes das Ehrenmal. Es trägt die Inschrift: „Die Toten mahnen die Lebenden“. 

[…]

Gesamtbilanz von zwölf Jahren deutschen Faschismus ist beispiellos: 60 Millionen Menschen verloren dadurch ihr Leben. Lasst uns daher bitte innehalten und an ihre millionenfache Opfer erinnern und gedenken.

Wir verneigen uns ehrfurchtsvoll vor den Opfern, die in den Konzentrationslagern, Zuchthäusern und Folterkammern litten und ermordetet wurden.

Wir verneigen uns tief vor den Soldatinnen und Soldaten der Antihitlerkoalition, vor den Partisanen und den Kämpferinnen und Kämpfern des illegalen Widerstandes, vor Zwangsarbeiterinnen, Zwangsarbeitern und Wehrmachtsdeserteuren.

Wir verneigen uns vor jenen, die diese Hölle überlebten und sich hoffnungsvoll am 19. April auf dem Apellplatz in Buchenwald zusammenfanden, um den Schwur zu leisten:

„Die Vernichtung des Nazismus mit seinen Wurzeln ist unsere Losung. Der Aufbau einer neuen Welt des Friedens und der Freiheit ist unser Ziel. Das sind wir unseren gemordeten Kameraden, ihren Angehörigen schuldig.“

Doch der Schwur von Buchenwald ist bis heute nicht erfüllt. Und die überlebenden KZ-Häftlinge, die ihn damals leisteten, werden immer weniger. Erst dieses Frühjahr mussten wir einen der letzten Zeitzeugen zu Grabe tragen: unseren Freund und Kameraden, Günter Pappenheim. Wenige Wochen vor seinem Tod forderte Günter uns, die nachfolgenden Generationen, auf:

• Lasst nicht zu, dass vergessen wird, was in Buchenwald geschah und ordnet es ein in das Furchtbare, was durch die Hitlerfaschisten in der Welt angerichtet wurde.

• Erinnert und bedenkt die Apriltage 1945 in Buchenwald.

• Erinnert und bewahrt den Schwur von Buchenwald, denn es gibt keine Alternative zu einer Welt des Friedens, der Freiheit und ohne Faschismus, wenn die Menschheit überleben will.

• Scheut keine Mühe, wenn es darum geht, den antifaschistischen Konsens immer neu, auch international, zu beleben.

Es ist nun an uns, das Vermächtnis des Schwurs von Buchenwald weiterzutragen.

Es ist nun an uns, die Erinnerung an die Opfer des Faschismus zu bewahren.

Es ist nun an uns, die Mahnung vor den Gräueltaten des Naziregimes und den Abgründen des menschlichen Handelns aufrechtzuerhalten.

Es ist an uns, dafür Sorge zu tragen, dass ein „Nie wieder“ wirklich auch ein „Nie wieder“ bleibt. Denn das sind wir den gemordeten Opfern und deren Angehörigen schuldig.

Breitscheid-Gedenken 2021

24. August 2021

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Rede der stellv. Landesvorsitzendenden, Karin Schrappe

Verehrte Anwesende,

Es ist eine gute Tradition, heute wieder gemeinsam an Rudolf Breitscheid zu erinnern, ihm zu gedenken und im Namen unseres Thüringer Verbandes der Verfolgten des Naziregimes und des Bundes der Antifaschisten zu mahnen.

Der Name Breitscheid fiel an unserem Familientisch durch Curt Albrecht, einem Familienmitglied und Überlebenden des KZ Buchenwald. Er gab der Erfurter Breitscheidstraße, in deren Nähe wir zu Hause waren, für mich ein Gesicht. Sein Lebensweg und der vieler Ermordeten, aber auch Überlebenden des Naziregimes begleitet mich mein ganzes Leben und führte mich auch immer auf den Ettersberg zurück. Mit vielen Menschen gedachte ich hier ihren Angehörigen und traf Zeitzeugen. Diese forderten uns immer auf, ihre Geschichten weiterzugeben, der jungen Generation zu sagen, dass sie keine Schuld aber Verantwortung tragen, dass so etwas nicht wieder passieren darf. Und deshalb unterstütze ich auch die Forderung, dieser Zeit und der Herausarbeitung der Ursachen dafür in der Schule mehr Zeit einzuräumen.

Leider gibt es fast keine Zeitzeugen mehr. Erst vor wenigen Tagen ist unsere Kameradin Esther Bejarano, Überlebende des KZ Auschwitz-Birkenau, von uns gegangen. Sie sagte einst: „Ihr tragt keine Schuld für das was passiert ist, aber ihr macht euch schuldig, wenn es euch nicht interessiert.“

Und deshalb ist es unsere Aufgabe als Nachkommen die junge Generation dafür zu sensibilisieren und zu unterstützen.

Apoldaer Kalenderblatt

6. August 2021

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Autor: Peter Franz (Basisgruppe Weimar-Apolda)

Seit dem 1. Januar 2021 gibt der Prager-Haus Apolda e.V. für jeden Tag
ein Kalenderblatt für Apolda und Weimar heraus, mit dem an einen der
Verfolgten, Emigrierten oder Ermordeten des Naziregimes erinnert wird.
Eine kurze Biografie mit Bild, manchmal nur der Name und ein paar wenige
Daten sollen so an Menschen erinnern, die unter dem Naziregime gelitten
haben:

Juden, Arbeiterwiderständler, Euthanasieopfer, Wehrmachtsdeserteure,
ZwangsarbeiterInnen und ihre Kinder

Das ist zugleich der konkrete Beitrag der Basisgruppe Weimar-Apolda der
VVN-BdA zur Erinnerung an geschehenes Unrecht und damit zugleich
Denkanstoß und Anregung, heute gegen den erstarkenden Faschismus alle
Kraft zu richten.

Die Kalenderblätter werden im sozialen Netzwerk facebook auf mehreren
Seiten verbreitet. Wer nicht Nutzer von facebook ist, bekommt die
Blätter per E-Mail jeden Tag zugeschickt.

TVVdN/BdA kritisiert geplante Streckenführung der Deutschland-Tour

4. August 2021

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Die Deutschlandtour, das größte deutsche Etappen-Radrennen, plant den Streckenverlauf am 27. August 2021 über den Ettersberg – vorbei an der Gedenkstätte Buchenwald, über die Blutstraße, vorbei an den Massengräbern beim Glockenturm. Der Verband der Verfolgten des Naziregimes / Bund der Antifaschisten kritisiert diese Entscheidung scharf. „Eine sportliche Veranstaltung auf dem Boden, der mit so viel Blut getränkt ist, zu planen ist vollkommen pietätlos und nicht hinnehmbar“, empört sich die Landesvorsitzende des TVVdN/BdA, Kati Engel. „Dies tritt die Würde und das Vermächtnis der Opfer und ihrer Hinterbliebenen mit Füßen.“

Im Konzentrationslager Buchenwald auf dem Ettersberg bei Weimar und in seinen 139 Außenlagern waren zwischen 1937 und 1945 fast 280.000 Menschen inhaftiert, darunter viele Widerstandskämpfer:innen, Jüdinnen und Juden, Sinti und Roma, Homosexuelle, Zeugen Jehovas. Am Ende des zweiten Weltkrieges war Buchenwald das größte KZ im Deutschen Reich. Über 56.000 Menschen wurden hier grausam ermordet, erschossen, erhängt, zertrampelt, erschlagen, erstickt, ersäuft, vergiftet, abgespritzt, sind verhungert, starben durch medizinische Experimente und Auszehrung. In einer eigens errichteten Tötungsanlage wurden allein über 8.000 sowjetische Kriegsgefangene erschossen.

Wie die Gedenkstätte mitteilte war sie selbst auch nicht in die genaue Planung einbezogen wurden, sondern erhielt nur eine standardisierte Informations-E-Mail, welche allen „Anliegern“ der Rennstrecke übermittelt wurde.

„Es macht mich sprachlos, wie pietätlos die Veranstalter, das beteiligte Wirtschaftsministerium und die Verantwortlichen der Stadt Weimar diesen Streckenverlauf geplant haben. Das ist ganz klar eine Störung der Totenruhe“, kritisiert Kati Engel „Es würde doch auch niemanden einfallen ein Radrennen auf einem Friedhof zu veranstalten.“

Doch die Einwohner:innen von Weimar und dem angrenzenden Umland haben schon seit jeher eine seltsame Beziehung zum Ettersberg und dem darauf befindlichen KZ. So blieb der Ettersberg auch zwischen 1937 und 1945 ein beliebtes Ausflugsziel. Auch damals ging die Weimarer Bevölkerung hier sportlichen Betätigungen nach oder feierte Sommerfeste. Die Lagerleitung begrüßte das und war um weitere Freizeitangebote bemüht. So öffnete im Mai 1940 sogar ein Wildtiergehege, welches die SS im Lagergelände errichtet hatte.*

„Die traurige Wahrheit ist also, dass es seit Beginn des Konzentrationslagers Buchenwald nicht unerheblich viele Menschen um den Ettersberg gab und gibt, die mit diesem Ort und seiner Geschichte so gar kein Problem zu haben scheinen. Die Planung des Streckenverlaufes reiht sich nur ein in eine Sammlung unrühmlicher Belege hierfür“, so Engel abschließend.

Laut Gedenkstättenleiter Dr. Wagner beharrt der Tour-Veranstalter trotz aller Kritik auf der geplanten Streckenführung. Lediglich von der Punktebewertung auf dem Parkplatz der Gedenkstätte wolle man nun absehen.

*aus Schley, Jens (1999). Nachbar Buchenwald: Die Stadt Weimar und ihr Konzentrationslager 1937-1945 (1. Aufl.). Köln/Weimar/Wien: Böhlau Verlag, S. 103 f.

Begehung der Gedenkstätte Bechstedt am 03.08.2021

3. August 2021

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Autor: J. Powollik (Basisgruppe Saalfeld-Rudolstadt)

Nach der telefonischen Information durch Dr. H. Stein von der Gedenkstätte Buchenwald, dass die Mittel für die Restaurierung der Anlage in Bechstedt durch das Land genehmigt wurden und dass ein ca. 4m hohes Kreuz durch den Privatmann Herrn Dewes aufgestellt wurde, inspizierten Mittglieder der Basisgruppe TVVdN-BdA SLF-RU die Gedenkstätte.

Das helle Holzkreuz dominiert den Hügel mit dem Gedenkstein. Es steht außerhalb der noch vorhanden ehemaligen Umzäunung der Gedenkstätte. Es enthält keinen schriftlichen Bezug, warum es dort steht. Die Umgebung des Kreuzes ist provisorisch abgesperrt. Sollten wieder Bäume an Stelle der gefällten gepflanzt werden, verschwindet der Sichtkontakt zwischen Gedenkstein und Kreuz mit der Zeit. Weitere Veränderungen der Gedenkanlage wurden nicht festgestellt. Auf unsere wiederholten schriftlichen Anfragen reagierte der Landrat, trotz des im Dezember des vergangenen Jahres gegebenen Versprechen, bisher nicht. Wir bleiben weiter dran.

Der 2. Sonneberger Stolperstein erinnert an den antifaschistischen Widerstandskämpfer Adolf Wicklein

31. Juli 2021

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Autorin: Brigitte Dornheim (Basisgruppe Sonneberg)

Vor einigen Jahren wurde auf Initiative einer jungen Journalistin in Sonneberg ein Stolperstein für eine jüdische Bürgerin meiner Heimatstadt verlegt. Ich habe das Bild des knieenden und klopfenden Gunter Demnig noch vor Augen, der jenen Messingstein als Erinnerung an die in Theresienstadt ermordete Rosa Bibo auf dem Trottoir vor dem Haus, in dem die Sonneberger Verkäuferin wohnte und arbeitete, setzte.

Damals reifte in mir der Entschluss, einen solchen Stein für meinen Großvater Adolf Wicklein verlegen zu lassen. Im Juli dieses Jahres kam es zur Verwirklichung meines Vorhabens. Für mich war dies ein wichtiger Schritt auf dem Weg der Erfüllung seines Vermächtnisses. Dieses Vermächtnis betrachte ich auch als das meines Vaters, der noch 1945, heimgekehrt aus dem Krieg, konsequent die Schlussfolgerung aus seinen schlimmen Erfahrungen an der Front ziehend, Mitglied der Partei wurde, in deren Reihen sein Vater gekämpft hatte, Mitglied der KPD, der Kommunistischen Partei Deutschlands und antifaschistischer Neulehrer wurde.

Leider konnte Gunter Demnig den Stolperstein nicht selbst verlegen, aber die Mitarbeiter des Bauhofes Sonneberg hatten die Legung gut vorbereitet. Es war eine würdige und gelungene Gedenkveranstaltung, zu der sich circa 30 antifaschistisch gesinnte Frauen und Männer am 31. Juli um 11. 00 Uhr in Sonneberg-Köppelsdorf versammelt hatten, darunter der stellvertretende Bürgermeister, der Kreisheimatpfleger, die ehemalige Pressesprecherin der Stadt und ein Lokalhistoriker. Der Stein wurde auf dem Bürgersteig vor dem Gebäude verlegt, welches als einziges von dem Betrieb übrigblieb, in dem Adolf Wicklein als Kapseldreher arbeitete. An seinem Arbeitsplatz in der Porzellanfabrik Hering verhaftete ihn am 19. Juni 1944 die Gestapo. Nach einigen Tagen, die er in einer Zelle des Sonneberger Gefängnisses verbringen musste, wurde er nach Weimar verlegt und dort, nach dem vor dem 2. Senat des sogenannten Volksgerichtshofs gefällten Todesurteil wegen „Hochverrats“ im Hof des Landgerichtsgebäudes enthauptet. Er starb an dieser Stelle als Letzter. Vor ihm wurden an jenem 5. Januar 1945 im 20-Sekunden-Takt 7 Männer und eine Frau der Suhler Widerstandsgruppe Friedberg ermordet. Meine VVN-Kameradin Waltraud Heinz, die den Anwesenden den Kommunisten und Widerstandskämpfer Adolf Wicklein nahebrachte, erläuterte auch, was in den Augen des NS-Regimes Hochverrat bedeutete, nämlich das Abhören von sogenannten Feindsendern und das kommunistische Hetzen mit russischen, sprich sowjetischen Kriegsgefangenen. Diese Kriegsgefangenen, die Schulter an Schulter mit Adolf Wicklein gearbeitet hatten, wurden von ihm mit Nahrung, Kleidung und Frontnachrichten versorgt. Dazu hatte er die „Feindsender“ gehört und auch, um Thüringer Angehörige von in britische Kriegsgefangenschaft geratene deutsche Soldaten zu benachrichtigen. Zum Kennenlernen des Adolf Wicklein trugen auch die Worte von Walter Fischer bei, der sich noch an seinen Großvater erinnern konnte. Sehr berührend war das Erinnerungsbild von einem Motorrad, auf dem SS-Männer saßen und dem Beiwagen, in dem er seinen Opa erblickte. Diese Schilderung vernahmen auch meine Tochter und ein Ur-Ur-Enkel von Adolf Wicklein sowie ein Enkel von dessen Schwester Ida.

Die kulturelle Umrahmung der Reden einschließlich meiner Erläuterung zum „Weg der Erinnerung und Mahnung zu Stätten der Verfolgung und des Widerstandes 1933 bis 1945“, eines Projektes des Sonneberger Arbeitskreises „Antifaschistische Gedenkkultur“ übernahm der Sänger Ernesto Schwarz aus Hessen. Von den durch ihn vorgetragenen Lieder „Wilde Gesellen“, „Im Kerker zu Tode gemartert“ ging eine starke emotionale Berührung aus.

Erich Weinerts Liedtext „Genauso hat es damals angefangen“ und der Text eines an die Jugend gerichteten Liedes wiesen auf die nach wie vor große Wichtigkeit antifaschistischen Wirkens hin. Auch deshalb soll der Stolperstein für Adolf Wicklein die erste Station des „Weges der Erinnerung und Mahnung“ werden. Beendet wurde die Gedenkveranstaltung mit Brecht-Worten aus „Der unaufhaltsame Aufstieg des Arturo Ui“.

„Ihr aber lernet, wie man sieht statt stiert

Und handelt statt zu reden noch und noch.

So was hätt‘ einmal fast die Welt regiert!

Die Völker wurden seiner Herr, jedoch

Daß keiner uns zu früh da triumphiert –

Der Schoß ist fruchtbar noch, aus dem das kroch.

Thälmann-Gedenken 2021

28. Juli 2021

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Anlässlich des 77. Jahrestages der Ermordung Ernst Thälmanns findet

am Mittwoch, den 18. August 2021 um 17.00 Uhr, im Hof des Krematoriums

des ehemaligen KZ Buchenwald eine gemeinsame Gedenkveranstaltung des Thüringer Verbandes der Verfolgten des Naziregimes / Bund der Antifaschisten und der Lagerarbeitsgemeinschaft Buchenwald-Dora statt.

  • Gedenkworte
    Sandro Witt
    DGB Thüringen
  • Moderation
    Elke Pudszuhn
    Ehrenvorsitzende des TVVdN/BdA

Wir laden Sie herzlich dazu ein, dieser Veranstaltung beizuwohnen.

Dr. Irmgard Seidel
Stellv. Vorsitzende Lagerarbeitsgemeinschaft Buchenwald-Dora

Kati Engel
Landesvorsitzende TVVdN/BdA

HINWEIS
Die Gedenkveranstaltung findet entsprechend den geltenden Maßnahmen und Regelungen des Infektionsschutzes statt.
Das Verteilen von Flugblättern und Mitführen von Parteifahnen ist nicht gestattet.
Wir bitten alle Teilnehmenden, sich an diese Bestimmungen zu halten sowie den Anweisungen der Ordner:innen zu folgen

Wohin in den Ferien?

21. Juli 2021

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In Eisenach stellt sich diese Frage wohl nicht, denn hier gibt es diesen Sommer viele Angebote für wissbegierige Kinder und Jugendliche. Damit es allen möglich ist, daran teilzunehmen, unterstütz die Alternative 54 e. V. zwei Bildungsfahrten nach Buchenwald und Mittelbau-Dora mit 500,00 €.

vorne: Katja Wolf (Oberbürgermeisterin) und Thomas Engel (Basisgruppensprecher)
hinten: Philipp Hofmann, Philipp Pommer, Kristin Lemm (Mitglieder der Basisgruppe v.l.n.r.)
(Foto: Andris Plucis)

„In den letzten Monaten ist Lernen für alle Schülerinnen und Schüler sowie für die gesamte Familie zu einer großen Herausforderung geworden. Viele sind besorgt, wie sich die lange Zeit ohne regelmäßigen Unterricht in der Schule auswirken wird“, äußert sich die Oberbürgermeisterin der Stadt Eisenach, Katja Wolf. „Aus diesem Grund haben wir die Schlauen Ferien organisiert. Mehr als 28 Vereine und Einrichtungen beteiligen sich daran und bieten über die gesamten Sommerferien Bildungsangebote an.“

Auch die Eisenacher Basisgruppe des Thüringer Verbandes der Verfolgten des Naziregimes / Bund der Antifaschisten (TVVdN/BdA) beteiligt sich an diesem Förderprogramm. Am Dienstag, den 3. August sind Jugendliche ab 14 Jahren zu einer Fahrt zur Gedenkstätte Buchenwald und am Dienstag, den 31. August zur KZ-Gedenkstätte Mittelbau Dora eingeladen.

„Die zwei Bildungsfahrten schaffen eine Verbindung zu historischen Orte, deren Überreste in besonderer Weise in die Gegenwart hineinwirken. Die Teilnehmenden erhalten einen Einblick in die Geschichte der Orte und in die dort begangenen Verbrechen. Sie werden erfahren, zu welchem Unrecht in der deutschen Vergangenheit Menschen fähig waren. Wir hoffen, sie so dafür zu sensibilisieren, sich dafür einzusetzen, dass dies nie wieder geschieht“, erläutert der Basisgruppensprecher, Thomas Engel.

„Ich freue mich, dass durch die Förderung der Alternative 54 für die Teilnehmenden keinerlei Kosten entstehen und diese wichtige Bildungsfahrt somit nicht am Geldbeutel scheitert“, erklärt Katja Wolf. „Bei den Schlauen Ferien geht es darum, zu zeigen, dass Kinder und Jugendliche trotz Pandemie nicht vergessen wurden und dass sich unsere Eisenacher Vereine darauf freuen, den Wissensdurst und die Neugier der Kinder zu wecken und dies mit ihnen gemeinsam zu stillen.“

„Es sind noch Plätze frei“, äußert sich Thomas Engel abschließend. „Und natürlich ist es möglich an beiden Fahrten teilzunehmen. Wir freuen uns über jede und jeden Jugendlichen, der mitkommen möchte.“

Der Verein „Alternative 54 e. V.“ entstand 1995 aus Protest der PDS-Landtagsabgeordneten gegen die automatische Diätenerhöhung nach Artikel 54 der Landesverfassung – eine Klage der Fraktion war leider nicht erfolgreich. Daher haben die Abgeordneten einen Verein gegründet, der die Gelder der Diäten-Erhöhungen als Spenden an gemeinnützige Vereine, Initiativen und Projekten verteilt. In diesem Verein sind neben linken Landtagsabgeordneten  auch andere Politiker:innen der LINKEN zahlende Mitglieder, wie z. B. die Eisenacher Oberbürgermeisterin Katja Wolf.

Bildungsfahrten des TVVdN/BdA:

Gedenkstätte Buchenwald: Dienstag, 31.08.2021

Gedenkstätte Mittelbau-Dora: Dienstag,31.08.2021

Anmeldung unter: vvn.bda.eisenach@gmail.com

In Memoriam Esther Bejarano – „Gegen das Vergessen“

16. Juli 2021

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Autor: Günter Domkowsky (Vorsitzender der BG Gera)

Die Basisgruppe Gera des Thüringer Verbandes der Verfolgten des Naziregimes / Bund der Antifaschistinnen und Antifaschisten muss leider mitteilen, dass am 16. Juli 2021 der Auftritt der Kölner Rapperband „Microphone Mafia“ im Geraer Hofwiesenpark nicht stattfindet. Auf Grund der Trauerveranstaltungen für Esther Bejarano sind sowohl ihr Sohn Joram Bejarano als auch die Mitglieder der Band aktiv in Hamburg mit eingebunden.

Die geplante, außergewöhnliche Geschichtsstunde „Gegen das Vergessen“ am 16. Juli 2021 um 14:00 Uhr im Veranstaltungsoval im Hofwiesenpark findet als Gedenkveranstaltung für Esther Bejarano statt.

Wir werden dieser großartigen, mutigen und unerschütterlichen Antifaschistin gedenken und ihren Kampf gegen Faschismus, Rassismus, Hetze und Hass würdigen. Esther Bejarano ist mit Bildern und Gesang bei uns. Über zahlreiche Teilnahme würden wir uns freuen.

Bei der Initiativgruppe Esther Bejarano und Microphone Mafia, der Stadt Gera und zahlreichen Sponsoren  bedanken wir uns für den über zweijährigen Einsatz in Vorbereitung der ursprünglichen Veranstaltung sehr herzlich.

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